Sucht betrifft viele, mit-betroffen sind alle anderen.

illustration blumen zupfen

Ältere Meldungen

Nachstehend finden Sie ältere Meldungen aus diesem und den Vorjahren zum Thema der Angehörigen und meinem Engagement in der Sache.

2020-12 | Weiße Weihnacht

"Alle Kinder haben ein Recht auf Weiße Weihnacht". Unter diesem Motto nehme ich seit Jahren an der Kampagne Weiße Weihnacht teil und verzichte in Solidarität mit den Kindern aus Suchtfamilien über die Feiertage auf Alkohol. Unberauscht singt es sich viel schöner am leuchtenden Weihnachtsbaum. Und weil das Feiern mit nüchternen Kopf mehr Spaß macht, dehne ich die Aktion ebenfalls auf Silvester und andere Feiertage aus. Ein heißer Kinder- oder Teepunsch zum Jahreswechsel schmeckt und wärmt wunderbar und das Feuerwerk kann man mit nüchternen Augen viel klarer genießen. Ich wünsche besinnliche Festtage!

» Website Weiße Weihnacht

2020-11 | Forschungsprojekt

Im Rahmen eines Forschungsprojekts untersucht das Institut für Kinder- und Jugendhilfe (IKJ), wie die Unterstützung suchtbelasteter Familien durch eine engere Vernetzung von Sucht- und Jugendhilfe verbessert werden kann. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gefördert. Im Juni 2020 wurde der zweite Zwischenbericht des Projektes veröffentlich. In diesem wird suchtkranken Eltern breiter Raum gewährt, über ihre Erfahrungen mit den Hilfesystemen zu reflektieren. Anhand der authentischen Schilderungen der Betroffenen werden die Stärken und Schwächen in der Vernetzung konkret benannt. So gibt der Bericht tiefe Einblicke ins System und legt die Finger direkt in die Wunden.

Doch stellt sich mir die Frage, warum vom BMG schon wieder eine neue Studie aufgelegt wird? Die aufgezeigten Defizite sind seit drei Jahrzehnten wohl bekannt und seitdem verspricht eine Drogenbeauftragte der Bundesregierung nach der anderen Besserung. Nüchtern betrachtet ist vorherzusagen, dass auch diese Studienergebnisse folgenlos in den Schubladen des Bundesministeriums verschwinden werden.

» Zwischenbericht herunterladen

2020-11 | Rezension

Im August ist das Buch "Die langen Schatten der Sucht" von der Kollegin Judith Barth und mir erschienen, welches über Anamnese, Diagnostik, Analyse und die Behandlung von Traumafolgestörungen als Folge einer suchtbelasteten Kindheit handelt. Jetzt ist auf Socialnet.de die erste Rezension erschienen. Sie ist von Anja Schoop, Diplom Sozialpädagogin in der Fachstelle Sucht des Diakonischen Werks Herford, verfasst worden. Die Rezensentin ist dort für die Angehörigenberatung zuständig.

» Rezension

2020-11 | Website

Es gibt eine neue, spannende Website: Wissensnetzwerk Kinder in suchtbelasteten Familien. Die Seite wird gerade aufgebaut und richtet sich an Fachleute und Interessierte. Herausgeber ist die Landeskoordinierungsstelle Frauen und Sucht NRW, BELLA DONNA mit Sitz in Essen. Die Seite ist ansprechend und intelligent gestaltet und verspricht, sehr informativ zu werden. Schauen Sie mal drauf!

» Website w-kis.de

2020-10 | EigenArts | Song

Das Duo EigenArts hat eine CD mit dem Titel "dennoch" herausgebracht. Der Song Albatros ist dem Schicksal von Kindern aus Suchtfamilien gewidmet. Kostproben des Textes: "Nicht reden, nicht fühlen, niemandem traun. Es ist doch nichts... Mama und Papa, auf Alkohol formatiert. Es ist doch nichts... Kindergefühle, wie Müll kompostiert. Es ist doch nichts. - Albatros, nimm mich mit auf deinen Schwingen. Flieg mich hinauf aus grauen Mauern in warmen Sonnenschein." Auf der Blogseite Jetzt.Besser.Leben von Frau Dr. Barnowski-Geiser kann der Song angehört werden.

» Song hören

2020-09 | Dokumentation | 3sat

filmplakat trinkerkinder

Eine Klientin, erwachsenes Kind aus einer Suchtfamilie, wies mich darauf hin: Die Schweizer Dokumentation "Trinkerkinder, die langen Schatten alkoholkranker Eltern" kann auf der Website des SRF aufgerufen werden. Ausgehend von der persönlichen Geschichte der Autorin Ursula Brunner und anhand verschiedener betroffenen Personen wird das Schicksal und die Not der Betroffenen und ihre Schwierigkeiten und Möglichkeiten, sich zu befreien und ein eigenes Leben aufzubauen, veranschaulicht. Erwachsene und noch jugendliche Betroffene kommen in dem 49-minütigen Beitrag selbst ausgiebig zu Wort, erzählen von ihren tragischen Erfahrungen und den Auswirkungen auf ihr Leben.

Die Kamera bewegt sich im Lebensalltag der Betroffenen und hält doch Abstand. So sind die Ausführungen zwar zugewandt, bleiben aber nüchtern. Diese Sachlichkeit des Films erinnert mich an den dissoziativ gefühlsfernen Selbstschutz der Betroffenen, ihre geichförmig unaufgeregte Stimme und ihre unbewegte Mimik und Gestik, wenn sie in der Therapie über die Schrecknisse der Kindheit erzählen. Dadurch wird die Dokumentation ihrem unprätentiösen Anspruch, über das Thema zu informieren, durchaus gerecht, wie ich finde. Die Klientin gab an, dass der Film "ganz ok" sei, für sie als Betroffene aber keine neuen Erkenntnisse geboten habe.

» Film aufrufen

2020-08 | Fachbuch | Klett-Cotta

Für einen Autor ist es, als wenn Geburtstag und Weihnachten zusammenfallen. Heute am 22.08. ist unser neues Buch: "Die langen Schatten der Sucht", bei Klett-Cotta erschienen. Gestern habe ich die Belegexemplare in der Post gehabt und durfte das Werk in die Hand nehmen. Ein digitales Manuskript hat stets etwas Unwirkliches, ein echtes Buch ist greifbare, erfahrbare Realität. Es hat 346 Seiten und ist dreigeteilt. Im ersten Kapitel werden die typischen Belastungen und Traumata, die Kinder in Suchtfamilien erfahren, systematisch beschrieben. Im zweiten und dritten Kapitel wird die Lerngeschichte des Suchttraumas analysiert und mögliche Traumafolgestörungen im Erwachsenenalter diagnostisch eingeordnet.

Das fünfte Kapitel ist der Hauptteil, in dem unser psychotherapeutisches Behandlungsprogramm: "Reden, fühlen, trauen!", dargestellt wird. In sieben Unterkapitel werden spezifische Aspekte der Therapie des Suchttraumas erläutert, z.B. zur therapeutischen Beziehungsgestaltung, Klärung von Motivation, Bewältigung von Ängsten und Depressionen, Erlebensaktivierung, Emotionsregulation, Traumabewältigung und zur Überwindung (co-)abhängiger Probleme. Alle Darstellungen werden praxisbezogen durch Kasuistiken veranschaulicht. Das Buch richtet sich vornehmlich an Fachleute: Psychotherapeuten, Suchttherapeuten und -berater, Psychologen, Sozialarbeiter oder Ärzte.

» Das Buch bei Klett-Cotta

2020-06 | Artikel | zeitzeichen

Zeitzeichen ist das Kulturmagazin der evangelischen Kirche in Deutschland und bietet Essays, Analysen und Nachrichten zu Religion und Gesellschaft. Am ersten Juni kommt das neue Heft zum Schwerpunktthema Sucht. Mein Beitrag dazu ist ein Essay mit dem Titel: "Sprachlos und hilfebedürftig". Die Einleitung zum Text lautet: "Depressionen, Angststörungen und psychosomatische Beschwerden, viele Kinder und Partner von Suchtkranken leiden. Der Bielefelder Psychotherapeut Jens Flassbeck berichtet, warum es für Angehörige so schwierig ist, über ihre Situation zu sprechen. Er fordert eine Erneuerung der Suchthilfe, damit sich diese mit anderen Hilfesystemen besser vernetzen kann." Es freut mich, dass zeitzeichen der Angehörigenproblematik einen angemessenen Raum gibt.

» Website zeitzeichen

2020-02 | COA-Aktionswoche

Vom 09. bis 15.02.2020 findet die bundesweite Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien statt. Ziel der jährlich zum Valentinstag durchgeführten Woche ist es, den vergessenen Kindern eine Stimme zu geben und Öffentlichkeit für die gesellschaftlich tabuisierte Thematik herzustellen. Jeder kann mit Veranstaltungen oder Aktionen beitragen. Die Woche wird von NACOA Deutschland, Such(t)- und Wendepunkt e.V. und Kunst gegen Sucht e.V. koordiniert. Die Aktionswoche hat dieses Jahr einen negativen Beigeschmack. Die "AG Kinder psychisch und suchtkranker Eltern" des Bundestages ist zu keinem konkretes Ergebnis gelangt. Die Vertreter/innen der Bundesministerien in der AG haben sich genau darum herumgedrückt. Der Aufruf zur Aktionswoche ist entsprechend kritisch und kämpferisch ausgefallen:

» Aufruf
» Website

2020-02 | Broschüre | LZG Rheinland-Pfalz

Da im März Abgabetermin für das Manuskript unseres neuen Buchs über die Psychotherapie mit traumatisierten erwachsenen Kindern aus Suchtfamilien ist und die Zeit vor der Abgabe stressig ist, nehme ich in 2020 leider nicht mit einer eigenen Veranstaltung an der Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien teil. Indirekt bin ich erfreulicherweise dennoch beteiligt. Die Landeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von Rheinland-Pfalz hat zur Aktionswoche eine informative Broschüre zu den komplex traumatisierten "stillen Mädchen" herausgeben, Titel: "Erkennen, erreichen, ermöglichen". Vornehmlich besteht diese aus einer Zusammenfassung eines Impulsreferats, das ich in 2019 auf einem zweitägigen Workshop des Arbeitskreises „Hilfen für Kinder aus suchtbelasteten Familien in Rheinland-Pfalz“ hielt. Der Text basiert auf dem zweiten Kapitels unserer geplanten Publikation. Ich danke der LZG und dem Arbeitskreis für die gelungene Kooperation.

» Broschüre bestellen (Rubrik: "Kinder aus suchtbelasteten Familien")
» Broschüre herunterladen

2020-02 | Neuerscheinung | Photoetry

Neuerscheinung: Sturm, C. (2019). Sucht vergeben. Berlin: Neopubli.

Das Buch ist das Ergebnis der mutigen und feinfühligen Kooperation der Fotografin Christa Sturm und einer Angehörigengruppe Suchtkranker. Durch die Kombination von Foto und Poesie wird der Angehörigenproblematik bewegend und eindrucksvoll Gesicht und Stimme gegeben. In der Therapie nutze ich die Fotos, um Klienten einen Spiegel vorzuhalten.

» Website der Künstlerin

2019-12 | Artikel über Wut | Deutschlandfunk

Co-abhängige Angehörige haben gewöhnlich ein äußerst gespaltenes Verhältnis zum Gefühl Wut. Es ist gehemmt, wird nicht wahrgenommen und kann nicht ausgedrückt werden. Doch können auch, selten zwar, die Dämme brechen und es kommt zu aggressiven Ausbrüchen, die im Nachhinein Schuldgefühle auslösen und noch stärkere Bemühungen, sich zu kontrollieren. "Wer Wut unterdrückt, kann depressiv werden", ist ein trefflicher und empfehlenswerter Artikel des Deutschlandfunks zu Facetten und Bedeutungen eines lebendigen Emotion, welche wir für Selbstbehauptung und -entfaltung brauchen.

» Artikel

2019-10 | Artikel | Freundeskreise

Der nebenstehende Artikel wurde im Jahresjournal des Landesverbands der Freundeskreise von NRW veröffentlicht. Der Artikel wie auch die Selbsthilfegruppe sind aus der Zusammenarbeit von dem Vorsitzenden der Gütersloher Selbsthilfe, Günter Philipps, und mir entstanden.

2019-05 | Vortrag | Blaues Kreuz

Am 23.05.2019 war ich vom Blauen Kreuz nach Bad Salzuflen geladen worden, um über komplexe Traumatisierungen von Kindern aus Suchtfamilien zu referieren. Es ist stets eine schwieriges, wie auch lohnenswertes Unterfangen, die schlimmen Erfahrungen der "vergessenen Kinder" und deren Traumafolgestörungen darzustellen und Tabuisierung und Sprachlosigkeit, die der Thematik innewohnen, zu überwinden. Das Publikum war gemischt: Suchthilfe, Jugendhilfe, Selbsthilfe, süchtig Betroffene und Angehörige. Sehr erfreulich und zuversichtlich stimmend nahm ich die Erkenntnis mit nach Hause, dass sich in Bad Salzuflen und Herford in den letzten Jahren ein zugewandtes und positives Bewusstsein und gute Hilfestrukturen in Sucht-, Jugend- und Selbsthilfe in Bezug auf die betroffenen Kinder und Angehörigen entwickelt haben. Herrn Reichert und Herrn Wültner vom Blauen Kreuz danke ich für die Einladung und den spannenden Abend.

2019-04 | Workshop | Arbeitskreis

Am 04. und 05. April nahm ich an einem Workshop in Koblenz zum Arbeitskreis "Hilfen für Kinder aus suchtbelasteten Familien in Rheinland-Pfalz" teil, veranstaltet von der dortigen Landeszentrale für Gesundheitsförderung (LZG). Wir waren eine bunte Mischung aus Fachkräften aus Prävention und Therapie und des LZG sowie Experten aus der Selbsthilfe. Das Thema waren die "stillen Mädchen" aus Suchtfamilien. Es ging um die genderspezifische Fragestellung, wie man diese unsichtbare Betroffenengruppe erkennen und erreichen kann. Ich nenne diese Gruppe auch die "Helferkinder", weil sie sich schon als kleine Kinder rührend um die suchtkranken Eltern und auch den Rest der Familie kümmern. Sie fallen durch frühe Reife und Eigenständigkeit, besondere Leistungen und Verantwortungsbewusstsein auf und werden deshalb durch Prävention und Therapie nicht erreicht. Allzu häufig versteckt sich hinter der auffällig unauffälligen Fassade eine komplexe und behandlungsbedürftige Traumatisierung, die mit viel Mangel, Not und Leid verbunden ist und erst viel später im Leben zu einer posttraumatischen Dekompensation führen kann.

Zur Eröffnung der Veranstaltung hielt ich ein Impulsreferat mit dem Titel: "Erkennen, erreichen, ermöglichen". Danach haben wir zwei Tage konzentriert gearbeitet und als Ergebnis vielfältige Materialien angedacht, um die Betroffenen anzusprechen und die Öffentlichkeit auf sie aufmerksam zu machen. - Eine Zusammenfassung des Vortrags werde ich hier in Kürze zum Herunterladen verlinken. Über die Materialien werde ich berichten, sobald sie fertig sind.

» Zusammenfassung Vortrag

2019-02 | COA-Aktionswoche

Vom 11. bis 16. Februar 2019 fand die bundesweite Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien statt und das Aktionswochen-Team von Berlin zog eine sehr zufriedene Bilanz über die stärkste Beteiligung in der 10-jährigen Geschichte der Woche. Durch 120 Veranstaltungen, 50 Aktionen und 70 gezählte Beiträge in regionalen und überregionalen Medien wurde die Öffentlichkeit für das Thema der "vergessenen Kinder" senibilisieren und über die Notwendigkeit angemessener Hilfen aufgeklärt.

Mein erster Beitrag zur Woche war ein Vortrag mit dem Titel "Angehörige beachten". Die Veranstaltung fand am 15.01. in der Selbsthilfe-Kontaktstelle von Minden-Lübbecke statt. Die geschätzt 60 Besucher waren mehrheitlich Selbstbetroffene. Ich bedanke mich bei Frau Krömker der Drogenberatung und Frau de Vink von der Kontaktstelle für die Einladung.

Für die zweite Veranstaltung zur Aktionswoche hat sich ein einrichtungs- und städteübergreifendes OWL-Bündnis mit dem Kinderschutzbund Bielefeld, der Fachstelle Sucht des Diakonischen Werkes Herford, der AG Suchtselbsthilfe Gütersloh, dem Blauen Kreuz Bad Salzuflen und Hiddenhausen-Eilshausen und dem Lichtwerk Filmtheater Bielefeld gefunden. Der preisgekrönte Film "Die beste aller Welten" wurde am 12.02. im Lichtwerk aufgeführt (» Filmwebsite). Mit 65 Zuschauern war der Filmsaal gut gefüllt. Nach der Vorführung wurde sich im Foyer des Filmhauses in vielen kleinen Gruppen angeregt ausgetauscht. Die beteiligten Einrichtungen waren sich einig, die gelungene Vernetzung in Zukunft zu vertiefen.

Mein persönliches Fazit in zwei Sätzen: 1. Man kann die Kinderproblematik nicht von der sonstigen Angehörigenproblematik trennen. 2. Ohne eindeutigen gesundheitspolitischen Auftrag verbleibt die Angehörigenhilfe im Projektstatus, abhängig von dem Engagement einzelner, und kann sich nicht nachhaltig institutionalisieren.

» COA-Aktionswoche
» Neue Westfälische 08.02.2019

2019-01 | Ratgeber | Klett-Cotta

Es ist für einen Autor wie ein (leicht verspätetes) Weihnachtsgeschenk. Die dritte Auflage des Ratgebers "Ich will mein Leben zurück!" ist gedruckt. Seit nunmehr zwei Jahrzehnten arbeite ich mit Angehörigen und seit fünf Jahren ist es ein Arbeitsschwerpunkt. Deshalb habe ich mir den Ratgeber letztes Jahr gründlich und kritisch vorgenommen. Viel zu verändern, habe ich allerdings nicht gefunden, mit einer Ausnahme, es gibt nun einen neuen Abschnitt "Sich mit der Trauer anfreunden". Dieser handelt von der Bedeutung, das Gefühl der Trauer und die erfahrenen Verletzungen akzeptierend wahrzunehmen und Strategien zu entwickeln, Trost anzunehmen und - vor allem - sich selbst zu trösten. Alle, die eine ältere Auflage haben, können den Abschnitt als PDF herunterladen.

» PDF "Sich mit der Trauer anfreunden"

2018-12 | Weiße Weihnacht

Als Psychotherapeut ist die Zeit um Weihnachten stets schwierig. Bei KlientInnen, die aus kaputten Elternhäuser kommen, z.B. weil die Eltern tranken, kommen die Erinnerungen an eine unglückliche Vergangenheit hoch. Und für KlientInnen, die mitten drin stecken, weil eine nahestehende Person suchtkrank ist, ist die Zeit emotional vergiftet, weil sie damit konfrontiert sind, wie schön die Festtage sein könnten, wenn die Sucht nicht wäre. - Die Aktion Weiße Weihnacht bedeutet, über die Festtage in Solidarität mit den Kindern aus Suchtfamilien auf den Gebrauch berauschender Mittel zu verzichten. Die Teilnahme ist mir ein Bedürfnis, mich der Maßlosigkeit des Konsums zu verweigern, und eine Hoffnung, dass wir Erfüllung in der liebevollen Begegnung und im gemeinsamen Weinen und Lachen finden. Weniger ist mehr, in diesem Sinne eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit!

» Website Weiße Weihnacht

2018-07 | Praxiseröffnung

In eigener Sache: CO-ABHAENGIG.de und die Angehörigensache sind derzeit eher hintangestellt, weil ich im Sommer in die freiberufliche Praxistätigkeit gestartet bin. Kurzfristig ist dies mit viel Aufwand verbunden. Langfristig verspreche ich mir deutlich mehr Spielräume, mich in der Angehörigenthematik zu engagieren. Die psychotherapeutische Arbeit mit Angehörigen wird mein Praxisschwerpunkt sein und ich freue mich, dass ich schon neue Kooperationspartner in der Sache gefunden habe und einige Betroffene in die Therapie aufnehmen konnte. Vor allem ist mir aufgefallen, dass in den letzten Jahren ein Wandel stattgefunden hat und die Sucht- und Drogenberatungen das Angehörigenthema viel stärker präsent haben und in ihre Angebotsstrukturen einarbeiten. Das ist gut so.

» Website Praxis

2018-06 | Neuerscheinung

Finnja Stauff hat aus ihrer eigenen Erfahrung ein Selbsthilfebuch für erwachsene Kinder von Alkoholikern veröffentlich: Durch Bewusstsein zur Selbstliebe. Bei mir hat das Werk zwiespältige Gefühle hinterlassen. Einerseits ist das Buch inhaltlich klug geschrieben und birgt differenzierte Innenansichten, welche den Betroffenen einen fokussierenden Spiegel ihrer vielschichtigen leidvollen und selbsterzeugten Problematik vorhält. Andererseits ist das Buch in einem simplizierenden Duktus des Heilsversprechens verfasst: "Du musst nur deine Gefühle zulassen, dann wird alles gut!". Das ist mir zu schön, um wahr zu sein. - Aber bitte, bilden Sie sich selbst ein Urteil!

2018-05 | Statistik

Aufgrund der im Mai 2018 in Kraft tretenden DSGVO habe ich den Besucherzähler (AWstats) dieser Website abschalten lassen. Vorher hat mir mein Seitenprovider noch die statistischen Daten übermittelt. Demnach besuchen im Durchschnitt ungefähr 1800 Personen diese Seite pro Monat. Dies bedeutet ca. 60 Besucher am Tag und 20000 im Jahr. Es ist davon auszugehen, dass es überwiegend Betroffene sind sowie professionelle Helfer, die sich informieren wollen. Diese großen Zahlen meiner kleinen Seite freuen mich sehr und sie spiegeln den Bedarf nach Information, Aufklärung und Hilfe wieder.

2018-05 | Positionspapier

"Hinschauen, zuhören, helfen." Der Verbandsrat des paritätischen Gesamtverbands hat im April ein beachtliches und unterstützenswertes Positionspapier zur Versorgung von Kinder aus Suchtfamilien und zur Überwindung der versäulten Sozialrechtssysteme herausgebracht. Auf Nacoa.de ist ein lesenswerter Bericht, in dem die Kernthesen des Papiers zusammengefasst werden.

» Bericht
» Positionspapier

2018-04 | NACOA

Schattenkinder NACOA hat ein kurzes Video mit dem Titel "Schattenkinder" zur Problematik der Kinder aus Suchtfamilien veröffentlicht, auch um für sich zu werben und neue Mitglieder zu gewinnen. Das ist gut so. NACOA sollte viel größer werden, um mehr gesundheitspolitisches Gewicht zu bekommen und mehr Einfluss nehmen zu können.

» Video

2018-04 | Jubiläum

Unter dem Motto "Lebe jetzt!" feierte die Diakonie von Altenkirchen und des Westerwaldkreises 25 Jahre familienorientierte Suchtprävention. Der dortige Kollege Dirk Bernsdorff ist für mich ein Pionier und Vorreiter in der Angehörigensache. Faszinierend, was er über die Jahre für ein Netzwerk in der Region aufgebaut hat! Es war für mich eine Ehre, den inhaltlichen Impuls des Tages setzen zu dürfen. Mein Vortrag lautete: "Zur Bedeutung der Angehörigenarbeit - Ansichten eines Therapeuten". Das Wichtigste neben den Feierlichkeiten waren indes die vielen kleinen Pausengespräche mit in der Angehörigensache engagierten und qualifizierten Menschen und die Energien und Ideen, die vermutlich alle, so wie ich, mit nach Hause nahmen. So werden neue Projekte geboren.

» Thesenpapier

2018-02 | Workshop zur Aktionswoche

Am Samstag den 10.02. hat unser Workshop "Meine Stärken, meine Sehnsucht" stattgefunden. Er war eine gemeinsame Veranstaltung von Günter Philipps als Vertreter der Gütersloher Suchtselbsthilfe, der niedergelassenen Psychotherapeutin Frau Barth und mir als Vertreter meines Klinikums. Gute Angehörigenarbeit braucht Vernetzung und Kooperation. Der Workshop war gut besucht. Und meine Kollegin Frau Barth fand abschließend schöne Worte, als sie ihre Bewunderung formulierte, mit wieviel Feingefühl und Wertschätzung sich die TeilnehmerInnen begegnet sind.

Der Workshop war Teil der bundesweiten Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien, die vom 11. bis 17.02. stattfand. Ziel der jährlich zum Valentinstag durchgeführten Woche ist es, den vergessenen Kindern eine Stimme zu geben. Die Veranstalter freuten sich über die gute Teilnahme mit insgesamt 110 Veranstaltungen und 20 Aktionen. Eine hoffnungsvolle Note erhielt die Woche durch den Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD, in dem explizit auf die Verbesserung der Situation von Kindern mit psychisch kranken Eltern eingegangen wird.

» Homepage
» Presseerklärungen

2017-12 | Wissenschaft

Die Universität Bamberg führt eine Studie durch, in der die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben bei jungen erwachsenen Kindern von Alkoholikern untersucht wird. Gut so! Das ist die Form von Wissenschaft, die wir brauchen.

» Zur Studie

2017-11 | Buch

Neuerscheinung: Angel, F. (2017). Mama Mutsch und mein Geheimnis. Wien: Jungbrunnen.

2017-09 | Buch

Neuerscheinung: Schottner, D. (2017). Dunkel Blau. Wie ich meinen Vater an den Alkohol verlor. München: Piper.

2017-07 | Wissenschaft

Das Angehörigennetzwerk AnNet ist ein partizipatives Forschungsprojekt, in dem die Angehörigen die Wissenschaftler sind, die Fragen stellen, forschen und diskutieren. Dies erweitert die Perspektive der Wissenschaft. Die untersuchte Gruppe ist kein Objekt, sondern wird zu Untersuchern, die (sich selber) beobachten und analysieren. Sie werden nicht zu Experten ihrer Thematik gemacht, sie SIND die Experten. Dadurch entstehen neue, unmittelbare Perspektiven. Im abschließenden AnNet-Arbeitsbuch sind die Ergebnisse und Erfahrungen auf sehr ansprechende Weise dargestellt - für Angehörige, Praktiker und Entscheider. Es ist beeindruckend, was Frau Dr. Schnute als Projektmoderatorin innerhalb von zwei Jahren gemeinsam mit den beteiligten Angehörigen und ihrem jungen Team an den zwei Standorten Hildesheim und Landau auf die Beine gestellt hat. Nachahmenswert! Wie es geht, steht im Buch.

» AnNet-Seite

2017-04 | Selbsthilfe

Im April war ich von der Selbsthilfe für Suchtkranke und Angehörige des Kreuzbunds in einer ostwestfälischen Kleinstadt geladen worden. Der Abend mündete in einen anregenden Dialog über die zwischenmenschlichen Abhängigkeiten zwischen süchtig und co-abhängig Betroffenen. Am Ende der Veranstaltung habe ich den Anwesenden empfohlen, mutig zu sein und eine eigene Angehörigengruppe zu bilden. Bislang werden die Angehörigen in der Stadt in die Suchtgruppen integriert. Ich bin ein Anhänger von getrennten Gruppen. Angehörige benötigen – wie auch Suchtkranke – Schutzräume, in denen sie wieder in Kontakt mit sich treten und Ansätze für eine gelebte Unabhängigkeit entwickeln können. Erst die Trennung schafft die Voraussetzungen für freie und partnerschaftliche Begegnung.

2017-02 | Film

Ein Teil von uns, Fernsehfilm der ARD: "Nadja hat ihr Leben endlich im Griff - ein guter, erfüllender Job, eine eigene Wohnung und eine neue Liebe. Dann taucht plötzlich ihre Mutter Irene auf und stellt all das scheinbar wieder in Frage." Ein beeindruckender Film über Nadja und ihre Leiden und Nöte als erwachsene Tochter einer alkoholkranken Mutter. Brigitte Hobmeier formulierte in einem Interview zu der Rolle wie folgt (2016): "Sie will meilenweit wegrennen und kommt keinen Millimeter voran. Ihr Selbstschutz wird zur Mauer, hinter der sie vor Einsamkeit fast krepiert." Der Film ist schonungslos und unprätentiös. Es wird nicht übertrieben und nichts schön geredet. Ich wollte immer wieder ausschalten und konnte es gleichzeitig nicht, weil es so ergreifend dargestellt wird, der Schmerz, die Scham, die Angst, der Ekel, die Wut, die Ohnmacht und immer wieder die Trauer. - Unbedingt sehenswert, aber nichts für Zartbesaitete!

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» Interview