Ältere Meldungen

2018-12 | Weiße Weihnacht

Als Psychotherapeut ist die Zeit um Weihnachten stets schwierig. Bei KlientInnen, die aus kaputten Elternhäuser kommen, z.B. weil die Eltern tranken, kommen die Erinnerungen an eine unglückliche Vergangenheit hoch. Und für KlientInnen, die mitten drin stecken, weil eine nahestehende Person suchtkrank ist, ist die Zeit emotional vergiftet, weil sie damit konfrontiert sind, wie schön die Festtage sein könnten, wenn die Sucht nicht wäre. - Die Aktion Weiße Weihnacht bedeutet, über die Festtage in Solidarität mit den Kindern aus Suchtfamilien auf den Gebrauch berauschender Mittel zu verzichten. Die Teilnahme ist mir ein Bedürfnis, mich der Maßlosigkeit des Konsums zu verweigern, und eine Hoffnung, dass wir Erfüllung in der liebevollen Begegnung und im gemeinsamen Weinen und Lachen finden. Weniger ist mehr, in diesem Sinne eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit!

2018-07 | Praxiseröffnung

In eigener Sache: Co-abhängig.de und die Angehörigensache sind derzeit eher hintangestellt, weil ich im Sommer in die freiberufliche Praxistätigkeit gestartet bin. Kurzfristig ist dies mit viel Aufwand verbunden. Langfristig verspreche ich mir deutlich mehr Spielräume, mich in der Angehörigenthematik zu engagieren. Die psychotherapeutische Arbeit mit Angehörigen wird mein Praxisschwerpunkt sein und ich freue mich, dass ich schon neue Kooperationspartner in der Sache gefunden habe und einige Betroffene in die Therapie aufnehmen konnte. Vor allem ist mir aufgefallen, dass in den letzten Jahren ein Wandel stattgefunden hat und die Sucht- und Drogenberatungen das Angehörigenthema viel stärker präsent haben und in ihre Angebotsstrukturen einarbeiten. Das ist gut so.

2018-06 | Neuerscheinung

Finnja Stauff hat aus ihrer eigenen Erfahrung ein Selbsthilfebuch für erwachsene Kinder von Alkoholikern veröffentlich: Durch Bewusstsein zur Selbstliebe. Bei mir hat das Werk zwiespältige Gefühle hinterlassen. Einerseits ist das Buch inhaltlich klug geschrieben und birgt differenzierte Innenansichten, welche den Betroffenen einen fokussierenden Spiegel ihrer vielschichtigen leidvollen und selbsterzeugten Problematik vorhält. Andererseits ist das Buch in einem simplizierenden Duktus des Heilsversprechens verfasst: "Du musst nur deine Gefühle zulassen, dann wird alles gut!". Das ist mir zu schön, um wahr zu sein. - Aber bitte, bilden Sie sich selbst ein Urteil!

2018-05 | Statistik

Aufgrund der im Mai 2018 in Kraft tretenden DSGVO habe ich den Besucherzähler (AWstats) dieser Website abschalten lassen. Vorher hat mir mein Seitenprovider noch die statistischen Daten übermittelt. Demnach besuchen im Durchschnitt ungefähr 1800 Personen diese Seite pro Monat. Dies bedeutet ca. 60 Besucher am Tag und 20000 im Jahr. Es ist davon auszugehen, dass es überwiegend Betroffene sind sowie professionelle Helfer, die sich informieren wollen. Diese großen Zahlen meiner kleinen Seite freuen mich sehr und sie spiegeln den Bedarf nach Information, Aufklärung und Hilfe wieder.

2018-05 | Positionspapier

"Hinschauen, zuhören, helfen." Der Verbandsrat des paritätischen Gesamtverbands hat im April ein beachtliches und unterstützenswertes Positionspapier zur Versorgung von Kinder aus Suchtfamilien und zur Überwindung der versäulten Sozialrechtssysteme herausgebracht. Auf Nacoa.de ist ein lesenswerter Bericht, in dem die Kernthesen des Papiers zusammengefasst werden.

2018-04 | NACOA

Schattenkinder NACOA hat ein kurzes Video mit dem Titel "Schattenkinder" zur Problematik der Kinder aus Suchtfamilien veröffentlicht, auch um für sich zu werben und neue Mitglieder zu gewinnen. Das ist gut so. NACOA sollte viel größer werden, um mehr gesundheitspolitisches Gewicht zu bekommen und mehr Einfluss nehmen zu können.

2018-04 | Jubiläum

Unter dem Motto "Lebe jetzt!" feierte die Diakonie von Altenkirchen und des Westerwaldkreises 25 Jahre familienorientierte Suchtprävention. Der dortige Kollege Dirk Bernsdorff ist für mich ein Pionier und Vorreiter in der Angehörigensache. Faszinierend, was er über die Jahre für ein Netzwerk in der Region aufgebaut hat! Es war für mich eine Ehre, den inhaltlichen Impuls des Tages setzen zu dürfen. Mein Vortrag lautete: "Zur Bedeutung der Angehörigenarbeit - Ansichten eines Therapeuten". Das Wichtigste neben den Feierlichkeiten waren indes die vielen kleinen Pausengespräche mit in der Angehörigensache engagierten und qualifizierten Menschen und die Energien und Ideen, die vermutlich alle, so wie ich, mit nach Hause nahmen. So werden neue Projekte geboren.

2018-02 | Workshop zur Aktionswoche

Am Samstag den 10.02. hat unser Workshop "Meine Stärken, meine Sehnsucht" stattgefunden. Er war eine gemeinsame Veranstaltung von Günter Philipps als Vertreter der Gütersloher Suchtselbsthilfe, der niedergelassenen Psychotherapeutin Frau Barth und mir als Vertreter meines Klinikums. Gute Angehörigenarbeit braucht Vernetzung und Kooperation. Der Workshop war gut besucht. Und meine Kollegin Frau Barth fand abschließend schöne Worte, als sie ihre Bewunderung formulierte, mit wieviel Feingefühl und Wertschätzung sich die TeilnehmerInnen begegnet sind.

Der Workshop war Teil der bundesweiten Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien, die vom 11. bis 17.02. stattfand. Ziel der jährlich zum Valentinstag durchgeführten Woche ist es, den vergessenen Kindern eine Stimme zu geben. Die Veranstalter freuten sich über die gute Teilnahme mit insgesamt 110 Veranstaltungen und 20 Aktionen. Eine hoffnungsvolle Note erhielt die Woche durch den Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD, in dem explizit auf die Verbesserung der Situation von Kindern mit psychisch kranken Eltern eingegangen wird.

2017-12 | Wissenschaft

Die Universität Bamberg führt eine Studie durch, in der die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben bei jungen erwachsenen Kindern von Alkoholikern untersucht wird. Gut so! Das ist die Form von Wissenschaft, die wir brauchen.

2017-11 | Buch

Neuerscheinung: Angel, F. (2017). Mama Mutsch und mein Geheimnis. Wien: Jungbrunnen.

2017-09 | Buch

Neuerscheinung: Schottner, D. (2017). Dunkel Blau. Wie ich meinen Vater an den Alkohol verlor. München: Piper.

2017-07 | Wissenschaft

Das Angehörigennetzwerk AnNet ist ein partizipatives Forschungsprojekt, in dem die Angehörigen die Wissenschaftler sind, die Fragen stellen, forschen und diskutieren. Dies erweitert die Perspektive der Wissenschaft. Die untersuchte Gruppe ist kein Objekt, sondern wird zu Untersuchern, die (sich selber) beobachten und analysieren. Sie werden nicht zu Experten ihrer Thematik gemacht, sie SIND die Experten. Dadurch entstehen neue, unmittelbare Perspektiven. Im abschließenden AnNet-Arbeitsbuch sind die Ergebnisse und Erfahrungen auf sehr ansprechende Weise dargestellt - für Angehörige, Praktiker und Entscheider. Es ist beeindruckend, was Frau Dr. Schnute als Projektmoderatorin innerhalb von zwei Jahren gemeinsam mit den beteiligten Angehörigen und ihrem jungen Team an den zwei Standorten Hildesheim und Landau auf die Beine gestellt hat. Nachahmenswert! Wie es geht, steht im Buch.

2017-04 | Selbsthilfe

Im April war ich von der Selbsthilfe für Suchtkranke und Angehörige des Kreuzbunds in einer ostwestfälischen Kleinstadt geladen worden. Der Abend mündete in einen anregenden Dialog über die zwischenmenschlichen Abhängigkeiten zwischen süchtig und co-abhängig Betroffenen. Am Ende der Veranstaltung habe ich den Anwesenden empfohlen, mutig zu sein und eine eigene Angehörigengruppe zu bilden. Bislang werden die Angehörigen in der Stadt in die Suchtgruppen integriert. Ich bin ein Anhänger von getrennten Gruppen. Angehörige benötigen – wie auch Suchtkranke – Schutzräume, in denen sie wieder in Kontakt mit sich treten und Ansätze für eine gelebte Unabhängigkeit entwickeln können. Erst die Trennung schafft die Voraussetzungen für freie und partnerschaftliche Begegnung.

2017-02 | Film

Ein Teil von uns, Fernsehfilm der ARD: "Nadja hat ihr Leben endlich im Griff - ein guter, erfüllender Job, eine eigene Wohnung und eine neue Liebe. Dann taucht plötzlich ihre Mutter Irene auf und stellt all das scheinbar wieder in Frage." Ein beeindruckender Film über Nadja und ihre Leiden und Nöte als erwachsene Tochter einer alkoholkranken Mutter. Brigitte Hobmeier formulierte in einem Interview zu der Rolle wie folgt (2016): "Sie will meilenweit wegrennen und kommt keinen Millimeter voran. Ihr Selbstschutz wird zur Mauer, hinter der sie vor Einsamkeit fast krepiert." Der Film ist schonungslos und unprätentiös. Es wird nicht übertrieben und nichts schön geredet. Ich wollte immer wieder ausschalten und konnte es gleichzeitig nicht, weil es so ergreifend dargestellt wird, der Schmerz, die Scham, die Angst, der Ekel, die Wut, die Ohnmacht und immer wieder die Trauer. - Unbedingt sehenswert, aber nichts für Zartbesaitete!

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