Materialien

In der Auseinandersetzung mit der Angehörigenproblematik sind unterschiedliche Arbeitsmaterialien für Betroffene selbst und für KollegInnen entstanden, die ich Ihnen zum Abbrufen zur Verfügung stellen möchte. Diese meisten sind in meinen Büchern abgebildet. Ich danke dem Verlag Klett-Cotta freundlich für die Genehmigung, sie hier einstellen zu dürfen. Hinzu kommt eine Broschüre, welche die Landeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Rheinland-Pfalz veröffentlicht hat. Hinzugefügt habe ich eine Rubrik mit kreativen Medien, die ich gerne in Psychotherapie, auf Workshops oder in Fortbildungen einsetze.

Die Landeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von Rheinland-Pfalz hat zur Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien 2020 eine informative Broschüre zu den komplex traumatisierten "stillen Mädchen" herausgeben, Titel: "Erkennen, erreichen, ermöglichen". Vornehmlich besteht diese aus einer Zusammenfassung eines Impulsreferats, das ich in 2019 auf einem zweitägigen Workshop des Arbeitskreises „Hilfen für Kinder aus suchtbelasteten Familien in Rheinland-Pfalz“ hielt. Der Text basiert auf dem zweiten Kapitel des Fachbuchs Die langen Schatten der Sucht (Flassbeck & Barth, 2020, S. 27 - 82). Ich danke der LZG Rheinland-Pfalz und dem Arbeitskreis für die gelungene Kooperation.

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Die Checkliste aus dem Ratgeber Ich will mein Leben zurück! (Flassbeck, 2019, S.45 - 52) dient dazu, das Ausmaß der Mit-Betroffenheit von Angehörigen zu überprüfen. Auf drei Skalen beinhaltet sie Fragen 1. zum Stress auf Seiten der Angehörigen durch das Zusammenleben mit einem Suchtkranken, 2. zu Problemen und Verstrickungen in der Beziehung zum Suchtkranken und 3. zu möglichen psychosozialen Beschwerden und Auffälligkeiten, die Angehörige als Folge des Stresses und der Probleme entwickeln können. Die Checkliste können Angehörige selber anwenden oder TherapeutInnen können sie in Beratung und Therapie zusammen mit den Klienten nutzen, um die Problematik und den Hilfebedarf zu klären. Die Checkliste ist kein wissenschaftlich überprüftes Instrument und liefert ausschließlich Hinweise, die auf dem jeweiligen individuellen Hintergrund zu interpretieren sind. Die abrufbare PDF besteht aus drei Teilen: den Instruktionen, dem Fragenkatalog und einer Anleitung zur Auswertung.

» Checkliste (CAV)

Der Anamnesebogen stammt aus dem Fachbuch Die langen Schatten der Sucht (Flassbeck & Barth, 2020, S. 28 - 29) und hilft Psycho- und Suchttherapeuten, die Traumatisierung eines erwachsenen Kindes aus einer Suchtfamilie überblicksmäßig einzustufen. Es werden 23 Stressoren und Traumata abgefragt, die in vier Kategorien eingeordnet sind: 1. Stress, 2. emotionale Vernachlässigung, 3. soziale Beeinträchtigungen und 4. Übergriffigkeiten. Es gibt zwei Spalten, in denen das biografische und das aktuelle Ausmaß eingestuft werden können. Der Anamnesebogen gibt Hinweise für die Diagnosestellung und die Therapieplanung.

» Anamnesebogen Suchttrauma

Als Psychotherapeut setze ich gerne kreative Medien ein. Bilder, Gedichte, Lieder, Geschichten, Filme etc. haben ein besonderes Potential körperlich, emotional und kognitiv anzuregen. Die Illustrationen von Prinzessin & Frosch, die diese Website zieren, sind ein Beispiel dafür. Gerne schreibe ich Klienten eigene Geschichten, Fabeln oder Märchen. Noch häufiger greife ich auf die Vielfalt zurück, die sich in Kultur und Kunst bietet. Folgend finden Sie eine kleine subjektive Auswahl meiner Favoriten aus Belletristik, Poesie, Musik und Film, die über die angehörigenzentrierten Empfehlungen der vorhergehenden Seite Literatur etc. hinausgehen. In der Psychotherapie dienen Medien dem Zweck, dass sich Klienten im Spiegel des Mediums wiedererkennen und sie ermutigt werden, sich selbst kreativ auszuprobieren und zu verwirklichen.

Die Lösung, Annett Louisan
Ein leichter, provokativ humorvoller Schlager über den sekundären Krankheitsgewinn, also darüber, warum Menschen an ihren Problemen festhalten und nicht an Lösungen interessiert sind.

Aufhebung, Erich Fried
Ein wunderbares Gedicht, dass Trost im Unglück Glück bedeutet.

Das Märchen von der traurigen Traurigkeit, Ingrid Wuthe
Eine kleine Erzählung über die Angst und Flucht der Menschen vor der Trauer und die eigentliche Funktion dieses zarten Gefühls.
» Märchen

Pavane pour une infante défunte, Maurice Ravel
Ravel soll das Stück auch "Pavane für eine verstorbene Prinzessin" genannt haben. Das Stück regt Trauer an, z.B. um Trost über eine unglückliche Kindheit zu finden oder auch Abschied von übertriebenen, prinzessinnenhaften Idealen zu nehmen.

Eine Geschichte von Gott, Herman van Veen
Eine wunderbare Anektode darüber, wo wir "Gott" finden: Auf einer Bank in der Sonne in uns selbst, und eine Parabel auf das, worauf es im Leben eigentlich ankommt: Atmen, Licht, Blumen, Wasser, Sonne, Gelassenheit, den Augenblick genießen...

Momo, Michael Ende (1973)
Ein sprachlich wunderschönes und philosophisches Kinderbuch darüber, dass Hetze, Produktivität, Ordnung und Konsum uns unglücklich macht und wir Erfüllung in Beziehung, Lachen, Spielen, Kreativität und Menschsein finden. Das Mädchen Momo ist eine durch und durch unprinzessinnenhafte Prinzessin und Vorbild für alle, die sich in Anpassung, Arbeitseifer und Pflichterfüllung verloren haben.

Filme

Und täglich grüßt das Murmeltier mit Bill Murray (1993)
Was kann man tun, wenn man feststellt, dass das Leben eine endlose Wiederholung desselben Musters ist? Die Filmkomödie gibt vielschichtige Antworten.

Grüne Tomaten, Jon Avnet (1991)
Es gibt viele Filme darüber, wie sich Frauen aus ihrem Korsett befreien. Dieser Spielfilm ist besonders ansprechend, weil die Protagonistin, Evelyn Couch (gespielt von Kathy Bates), eine normale, spießige, beleibte Hausfrau in den Wechseljahren ist, die es allen versucht recht zu machen, aber selbst immer zu kurz kommt. Eine feinfühlig erzählte und modellhafte Geschichte darüber, wie unterdrückte Frauen mit Hilfe von Mut, Humor, Hammer und Pfanne ihre Freiheit (gegenüber einem normierenden, bevormundenen, gewalttätigen und selbstsüchtigen Patriachat) erkämpfen und verteidigen.

Fremder Feind (Alternativtitel: Krieg), Rick Ostermann (2017)
Das Filmdrama empfehle ich manchmal, wenn bei Angehörigen die Situation sehr zugespitzt ist und es darum geht, den Selbsterhalt und das eigene Leben vor der zerstörerischen Macht der Sucht zu retten. Der Protagonist Arnold, meisterlich von Ulrich Matthes gespielt, verliert fast alles, was in seinem Leben wertvoll ist, weil er es aus pazifistischen Idealen ablehnt, zu kämpfen. Erst als es um seine nackte Existenz gegen einen unsichtbaren Feind geht, beginnt er, sich zu wehren. Der "fremde Feind" könnte auch für Sucht stehen.