Willkommen

Sie interessieren sich für die Angehörigenproblematik der Sucht? Vielleicht weil Sie selber - als Partner, Eltern, Kind, Geschwister, Freund - betroffen sind, weil Sie suchtkrank waren oder weil Sie als Suchthelfer arbeiten? Diese Website ist angehörigenzentriert und solidarisiert sich parteiisch mit den Angehörigen und Kindern von Suchtkranken.

Gibt es Co-Abhängigkeit? Es wird behauptet, dass der Begriff Angehörige als krank stigmatisiere und er deshalb nicht mehr genutzt werden solle. Der meines Erachtens Pseudo-Diskurs lenkt davon ab, dass Suchthilfe, -politik und -forschung in der Angehörigenproblematik bis heute großen Entwicklungsbedarf haben. Für mich ist der Begriff Co-Abhängigkeit eine Überschrift, die einer vielschichten und facettenreichen psychischen, sozialen und auch gesellschaftlichen Problematik einen Namen gibt. Einen Besseren haben wir aktuell nicht.

Angehörige haben es schwer und sie leiden genauso unter den Folgen und Begleiterscheinungen der Sucht wie die Suchtkranken. Im Berufsalltag, auf Tagungen, in Fortbildungen oder Workshops mache ich die erfreuliche Erfahrung, dass viele KollegInnen das Defizit sehr wohl erkannt haben: "Eigentlich müssten wir viel mehr tun!". In der Hinwendung, Beachtung und Unterstützung von Angehörigen, davon bin ich überzeugt, liegt eine riesen Chance, uns zu verbessern und eine effektivere Suchthilfe zu entwickeln.

Ihr Jens Flassbeck

2019-04 | Workshop

Am 04. und 05. April war ich zu einem Workshop in Koblenz zum Arbeitskreis "Hilfen für Kinder aus suchtbelasteten Familien in Rheinland-Pfalz" geladen, veranstaltet von der dortigen Landeszentrale für Gesundheitsförderung (LZG). Wir waren eine bunte Mischung aus Fachkräften aus Prävention und Therapie und des LZG sowie Experten aus der Selbsthilfe. Das Thema waren die "stillen Mädchen" bzw. die "vergessenen Kinder" aus Suchtfamilien. Es ging um die genderspezifische Fragestellung, wie man diese unsichtbare Betroffenengruppe erkennen und erreichen kann. Ich nenne diese Gruppe auch die "Helferkinder", weil sie sich schon als kleine Kinder rührend um die suchtkranken Eltern und auch den Rest der Familie kümmern. Sie fallen durch frühe Reife und Eigenständigkeit, besondere Leistungen und Verantwortungsbewusstsein auf und werden deshalb durch Prävention und Therapie nicht erreicht. Allzu häufig versteckt sich hinter der auffällig unauffälligen Fassade eine komplexe und behandlungsbedürftige Traumatisierung, die mit viel Mangel, Not und Leid verbunden ist und erst viel später im Leben zu einer posttraumatischen Dekompensation führen kann.

Zur Eröffnung der Veranstaltung hielt ich ein Impulsreferat mit dem Titel: "Erkennen, erreichen, ermöglichen". Danach haben wir zwei Tage konzentriert gearbeitet und als Ergebnis vielfältige Materialien angedacht, um die Betroffenen anzusprechen und die Öffentlichkeit auf sie aufmerksam zu machen. - Eine Zusammenfassung des Vortrags werde ich hier in Kürze zum Herunterladen verlinken. Über die Materialien werde ich berichten, sobald sie fertig sind.

2019-02 | COA-Aktionswoche

Vom 11. bis 16. Februar 2019 fand die bundesweite Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien statt und das Aktionswochen-Team von Berlin zog eine sehr zufriedene Bilanz über die stärkste Beteiligung in der 10-jährigen Geschichte der Woche. Durch 120 Veranstaltungen, 50 Aktionen und 70 gezählte Beiträge in regionalen und überregionalen Medien wurde die Öffentlichkeit für das Thema der "vergessenen Kinder" senibilisieren und über die Notwendigkeit angemessener Hilfen aufgeklärt.

Mein erster Beitrag zur Woche war ein Vortrag mit dem Titel "Angehörige beachten". Die Veranstaltung fand am 15.01. in der Selbsthilfe-Kontaktstelle von Minden-Lübbecke statt. Die geschätzt 60 Besucher waren mehrheitlich Selbstbetroffene. Ich bedanke mich bei Frau Krömker der Drogenberatung und Frau de Vink von der Kontaktstelle für die Einladung.

Für die zweite Veranstaltung zur Aktionswoche hat sich eine einrichtungs- und städteübergreifende OWL-Bündnis mit dem Kinderschutzbund Bielefeld, der Fachstelle Sucht des Diakonischen Werkes Herford, der AG Suchtselbsthilfe Gütersloh, dem Blauen Kreuz Bad Salzuflen und Hiddenhausen-Eilshausen und dem Lichtwerk Filmtheater Bielefeld gefunden. Der preisgekrönte Film "Die beste aller Welten" wurde am 12.02. im Lichtwerk aufgeführt (» Filmwebsite). Mit 65 Zuschauern war der Filmsaal gut gefüllt. Nach der Vorführung wurde sich im Foyer des Filmhauses in vielen kleinen Gruppen angeregt ausgetauscht. Die beteiligten Einrichtungen waren sich einig, die gelungene Vernetzung in Zukunft zu vertiefen.

Mein persönliches Fazit in zwei Sätzen: 1. Man kann die Kinderproblematik nicht von der sonstigen Angehörigenproblematik trennen. 2. Ohne eindeutigen gesundheitspolitischen Auftrag verbleibt die Angehörigenhilfe im Projektstatus, abhängig von dem Engagement einzelner, und kann sich nicht nachhaltig institutionalisieren.

2019-01 | Ratgeber

Es ist für einen Autor wie ein (leicht verspätetes) Weihnachtsgeschenk. Die dritte Auflage des Ratgebers "Ich will mein Leben zurück!" ist gedruckt. Seit nunmehr zwei Jahrzehnten arbeite ich mit Angehörigen und seit fünf Jahren ist es ein Arbeitsschwerpunkt. Deshalb habe ich mir den Ratgeber letztes Jahr gründlich und kritisch vorgenommen. Viel zu verändern, habe ich allerdings nicht gefunden, mit einer Ausnahme, es gibt nun einen neuen Abschnitt "Sich mit der Trauer anfreunden". Dieser handelt von der Bedeutung, das Gefühl der Trauer und die erfahrenen Verletzungen akzeptierend wahrzunehmen und Strategien zu entwickeln, Trost anzunehmen und - vor allem - sich selbst zu trösten. Alle, die eine ältere Auflage haben, können den Abschnitt als PDF herunterladen.

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