Sucht betrifft viele, alle anderen sind als Angehörige betroffen.

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Willkommen

Sie interessieren sich für die Angehörigenproblematik der Sucht? Vielleicht, weil Sie selbst als Kind, Partner, Eltern, Geschwister oder Freund betroffen sind, weil Sie sich in der Selbsthilfe engagieren oder weil Sie als Suchthelfer, Sozialarbeiter oder Psychotherapeut tätig sind? Vielleicht auch, weil Sie aus der Sucht ausgestiegen sind, und erfahren möchten, wie andere unter Ihrem süchtigen Verhalten gelitten haben? Diese Website solidarisiert sich parteiisch mit den betroffenen Angehörigen.

Der Domänenname dieser Website soll einer vielschichtigen und facettenreichen Problematik eine eigene Überschrift geben. Angehörige sind nicht nur Anhängsel, sie leiden ebenso unter den Folgen und Begleiterscheinungen der Sucht wie die Suchtkranken. Co-abhängige Erlebens- und Verhaltensmuster sind dadurch gekennzeichnet, dass sich die Betroffenen in der Hilfe für eine nahestehende suchtkranke Person verstricken. Durch die Aufopferung im Dienste der Sucht vernachlässigen sie sich selbst, ihre Lebensinteressen und Selbstfürsorge. Darüber entwickeln sie nicht selten eigene psychosoziale und psychosomatische Probleme und Störungen.

Angehörige benötigen Hilfe, doch sie nehmen oftmals die eigene Not kaum wahr und bagatellisieren sie: "Ist nicht schlimm, alles gut!" Ihr stilles Leiden wird durch die Hilfesysteme nur unzureichend erkannt und infolgedessen fallen sie zwischen die Hilfenetze von Prävention, Jugendhilfe, Suchthilfe und Psychotherapie. In der bewussten Hinwendung zu und Beachtung von Angehörigen, davon bin ich überzeugt, liegt eine Chance, die Hilfesysteme gerechter zu gestalten und eine bessere Vernetzung zu entwickeln.

2026-06 | Musikalische Lesung | Minden

Ein kreativer Nachmittag mit Text und Musik …

Aus der Ankündigung:

Am Sonntag, den 28. Juni erwartet Besucher*innen bei „Sonntags in der Bibliothek ein kreativer Lesungs-Nachmittag mit Text und Musik.

Wie fühlt es sich an, wenn man als Kind in einer Suchtfamilie aufwächst? Wie geht man damit um, wenn es niemanden in der Familie gibt, der Zuwendung, Halt und Trost gibt? Wenn ein Elternteil trinkt, sind Scham und Schweigen alltäglich. Kinder aus Suchtfamilien leben hinter einer unsichtbaren Wand der Beschämung und Sprachlosigkeit.

Annabelle Schickentanz und Lisa Türk lassen Worte und Musik sprechen, damit die Gefühle hinter der Wand hervortreten können und spürbar werden. Jenseits der Wand lautet der Titel des von Annabelle Schickentanz veröffentlichten autofiktionalen Romans über eine Kindheit in einer Suchtfamilie. Annabelle wird an diesem Nachmittag einige Kapitel aus ihrem Buch vortragen, Lisa wird nach jedem Kapitel auf dem Schlagzeug improvisieren, um die Atmosphäre des Gelesenen erfahrbar zu machen.

Es erwartet Sie ein besonderer künstlerischer Nachmittag – da Lisa auf dem Schlagzeug improvisiert, ist jede musikalische Lesung einzigartig.

Termin: Sonntag, 28.06.2026, um 15:00 Uhr
Ort: Stadtbibliothek Minden, Königswall 99, 32423 Minden, Telefon 0571 83791-21
Anmeldung erwünscht an stadtbibliothek(a)minden.de

» Flyer Jenseits der Wand

lesung bielefeld

2026-06 | Lesung | Bielefeld

Worte tanzen mit den inneren Farben

Es ist Karin und Klaus Reinhold für die Einladung zu danken, dass die Lesung in ihrem wunderbaren Haus im Grünen von Bielefeld-Brake stattfinden konnte. Ungefähr 25 Personen folgten der Einladung. Sonja Schindler trug einige Kapitel aus ihrem noch unveröffentlichten Roman »Schreiende Stille« vor, Annabelle Schickentanz las aus ihrem autofiktionalen Buch »Jenseits der Wand«.

Die ZuhörerInnen waren Teil einer gemeinsamen Reise durch düstere, aber ebenso hoffnungsvolle Gefühlswelten (Faltblatt Lesung). Aus der Ankündigung:

Sonja Schindler: Bielefelder Autorin, die aus ihrem Debütroman Schreiende Stille liest. Ein phantastischer Konfrontationskurs mit den unangenehmen Gefühlen in uns. Zitat: Tief in mir entsteht ein Schrei. Ohrenbetäubend lautlos, den ich in dieses unendliche Universum unserer gemeinsamen Gefühle schreie, ohne dass ihn je jemand hören wird.

Annabelle Schickentanz: Lebt in einer Kleinstadt im Ruhrgebiet. Ihr philosophischer Roman Jenseits der Wand hinterfragt die Kollusion von Sucht, Scham und Schweigen. Zitat: Sie trinken, damit die Scham aus ihren Körpern kriecht, durch die feinsten Poren, damit die Schuld verdunstet, gemeinsam mit dem vergifteten Schweiß, während sie sich glauben machen, ihre eigene Würde sei unantastbar.

Die feinen Nuancen der Gefühle zu spüren und ebenso Worte zu finden, um diesen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, erzeugt Vertiefung und öffnet den Raum für Resonanz. Als jemand, der die Autorenschaft der beiden mit angestoßen hat, durfte ich die Veranstaltung moderieren. In der Abmorderation sammelte ich die emotionalen und assoziativen Eindrücke der ZuhörerInnen. Das Ergebnis dieser Sammlung bestand aus 26 spontan geäußerten Worten, die Annabelle Schickentanz zu nachfolgendem Gedicht verwoben hat.

Nähe und Wärme, Orange und Tiefrot

Umgeben von rauem Wind
aufgewühlt
liege ich schlaflos

stattdessen
in meinen Nachtgedanken
Albträume

aufgestiegen
sind sie aus
verzweifelter Leere

in meinem Spiegelbild
Einsamkeit
gedehnte Zeit
als sei sie
die einzige Antwort

welches Echo
das hallt aus der Tiefe
hat mein Verlust?

Akzeptanz
notwendig
jedoch nicht hinreichend

Nähe zu anderen suchen
ihnen in die Augen schauen
neue Erfahrung
mitmenschliche Fülle
die erleuchtet

die Wärme spüren
und meinen Mut

was es wohl bedeutet
sich zu befreien
wachsen zu dürfen
resilient zu sein

wenn ich die Augen schließe
bunte Farben

und ich höre ein Wort
das ruft aus der Tiefe

Ankommen
Fühlen - alles.

2026-06 | Book Release | Düsseldorf

Autobiografischer Ratgeber von Jil Rieger

Rieger, J. (2026). Die Lösung in der Suchtbeziehung. Warum die Sucht des anderen nicht dein Problem ist - sondern der Anfang von echter Verbindung. Düsseldorf.

Am Samstag, 06.06.2026, war ich in Düsseldorf zur Book-Release-Party von Jil Rieger in der Cøffe Rösterei Heerdt. Jil und ich haben schon an verschiedenen Projekten zur Angehörigenthematik gemeinsam beigetragen. Sie endlich persönlich kennengelernt zu haben, darüber freue ich mich. Das Geleitwort zu Ihrem autobiografischen Ratgeber durfte ich schreiben und in ihre Texte gingen auch meine Modelle ein. Mir gefällt sehr gut, mit welchen deutlichen Worten sie das Phänomen der Co-Abhängigkeit beschreibt und Wege daraus aufzeigt. Folgend einige Zitate, um einen Eindruck von der Neuerscheinung zu geben:

Wir üben Kritik am herkömmlichen Hilfesystem und erkennen an, dass es Teil des Problems ist. Denn es funktioniert, ebenso wie das Suchtsystem, auf individueller Ebene, suchtzentriert und täterorientiert. Es übersieht, ignoriert und leugnet die Seite der Angehörigen und ihre eigene vorhandene Abhängigkeit. Es ist in weiten Teilen systemisch blind für die Angehörigenebene und die Co-Abhängigkeitsdynamik. Damit fördert das Hilfesystem die co-abhängigen Strukturen nicht nur auf der individuellen Ebene der Menschen, die dort Hilfe suchen, sondern ebenso in sich selbst.

Aus dem Suchtsystem - Hinein in die Lebendigkeit. Eine Frau, die von innen nach außen lebt, in einer sicheren Anbindung an ihren weiblichen Pol, und zugleich die männliche Energie nutzt, um mit ihrer Klarheit nach außen zu treten, kann mehr umstürzen und bewegen, als es beliebig viele Panzer je könnten. Diese Frau ist dem System fremd. Genauso wie es die Frau eines Süchtigen tut, wenn sie beginnt, ihrer inneren Stimme zu vertrauen, ihre Klarheit zurückzugewinnen und ihr zu folgen.

Ein Buch über Sucht in Beziehungen, Co-Abhängigkeit und den Weg daraus zu schreiben, ohne dabei die Bedeutung der Rolle der Frau und der Weiblichkeit zu beleuchten, würde meiner Auffassung nach einen entscheidenden Aspekt verschweigen. Ich glaube, es ist kein Zufall, dass sich meine Arbeit dahin entwickelt hat, heute vorwiegend Frauen in und aus Suchtbeziehungen zu begleiten. Die LILA HERZEN sind zu einem liebevoll schützenden und tragenden Raum herangewachsen, in dem Frauen gemeinsam wieder spüren, was es heißt, sich mit der heilsamen Kraft und Stimme der Weiblichkeit zu verbinden, und was diese in der Tiefe bewegt.

Liebste Jil, ich weiß gar nicht recht, wie ich beginnen kann, meine Gefühle für dich in Worte zu fassen und auf Papier zu bringen. Wenn ich heute an dich denke, wird mein Herz ganz weit. Ich möchte dich fest in den Arm nehmen und halten – so, wie du mich stets gehalten hast. Die vergangenen Jahre waren nicht leicht für dich. Ich sehe dich damit. Wie oft habe ich dich gehasst, unterdrückt, abgewertet, missbraucht, vergessen und im Stich gelassen? Ich habe dich kleingehalten, heruntergemacht, unter Druck gesetzt und viel zu häufig zu viel von dir verlangt. Etliche Male habe ich dir nicht zugehört, dich allein gelassen und versucht, vor dir zu flüchten. Ich hatte Angst, dir zu begegnen. Angst vor deiner Nähe, weil ich so entfremdet von dir war. Ich hatte Angst vor deiner Echtheit und Klarheit.

» Website

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2026-06 | Poesietherapie | Gedicht

Kinder

Das nachstehende Gedicht habe ich einem 25-jährigem Kind aus einer Suchtfamilie geschrieben.

Kinder
die ihr aufwachst
in Elend, Hunger und Krieg
die man nicht sieht
nicht sehen will

deren Not
man abwehrt
feige allein lässt
zu übertünchen
die Negation des Sichtbaren
süchtige, selbstsüchtige
Belanglosigkeit
Bezugslosigkeit
Trostlosigkeit

Kinder
sagen will ich euch
nicht ihr seid es
die auf dem Kopf steht
die Welt ist es

Kinder
euer Empfinden
hadert, verzweifelt
Schmerzen brennen
in euch tief rot
Farben, innere
würdigen Wahrheit
Sinn erfährt
der Weltschmerz
durch euch

Kinder
ihr tragt die Last
der Verantwortung
die Welt sie würde
leer, wie sie ist
haltlos implodieren
ohne euch

Kinder
küssen will ich euch
Träne für Träne
still und ungeweint
und herzen
zart und rau
euren Wert aufwiegen
in Erdbeeren
so viel ihr wollt
so viel ihr seid
so reich ihr seid

Kinder
die Welt
sie gibt Antworten
vernünftige
erklärt, rechtfertigt
rationalisiert die Scham
fragen tut keiner
Was wäre wenn
schamhaft
ihr euren Schmerz lebt
trotz allem
und gerade drum

(J. Flassbeck, 2026)

2025-09 | ARD | Film

Ein Mann seiner Klasse

Die SWR-Koproduktion Ein Mann seiner Klasse ist als bester Fernsehfilm mit dem Deutschen Fernsehpreis 2025 ausgezeichnet worden. Das Abstract zum Spielfilm von der Mediathek der ARD:

Kaiserslautern, im Sommer 1994. Für den zehnjährigen Christian ist ein Ausflug in den Freizeitpark die absolute Ausnahme. Realität sind die eingetretene Wohnungstür, Hämatome auf dem Rücken der Mutter Mira und die Erfahrung von ständigem Mangel. Sein Vater Ottes ist unberechenbar, meist siegt der Alkohol über den guten Willen und er macht es seiner Familie nicht leicht, ihn zu lieben. Als der aufgeweckte Christian unerwartet eine Gymnasialempfehlung bekommt, will Mira, dass der begabte Sohn seine Chance nutzt. Ottes ist strikt dagegen. Christian soll wie er die Hauptschule besuchen und arbeiten.

Als Mira lebensgefährlich erkrankt, gibt ihre Schwester Juli ein Versprechen ab: Sie wird Verantwortung für die Kinder übernehmen. Nach Miras Tod setzt sie gegen den Willen von Ottes durch, dass Christian aufs Gymnasium geht. In Bedrängnis zwischen Juli und dem Vater, von dem er sich emotional nicht lösen kann, muss Christian sich entscheiden, welchen Weg er im Leben gehen möchte.

Der Spielfilm „Ein Mann seiner Klasse“ und die gleichnamige Doku sind nach dem Bestseller von Christian Baron entstanden.

Auf der Seite Medien unter der Rubrik Romane finden Sie eine Rezension zum autobiografischen Buch. Der Film ist gut gemacht, doch vieles fehlt oder wird nur szenisch angedeutet. Das Buch führt nach meinem Dafürhalten die familiäre Tragik und das Schicksal von Christian genauer, vielschichtiger und tiefgehender aus. Sowohl das Buch als auch der Film sind von suchtbedingter Gewalt geprägt, was nicht für sensible Gemüter oder traumatisierte Personen geeignet ist.

Beim Schauen des Films habe ich über den Titel nachgesonnen, der das eigentliche Thema verschweigt. Sucht kennt nämlich keine Klasse. Die Auswirkungen der suchtbedingten Übergriffigkeiten auf das soziale Umfeld sind unabhängig vom Milieu: Die Würde der Angehörigen wird nachhaltig verletzt. Ist dies Absicht des Autors, um den Vater nicht nur als gewalttätigen Säufer zu erinnern, vielmehr ihm als "Mann seiner Klasse" ein menschliches Denkmal zu setzen und so ein liebevolles Gedenken zu pflegen? Ist dies wichtig und gut für den Seelenfrieden von Christian, ist es Ausdruck der Zerrissenheit des Protagonisten oder ist es eine Täuschung? Oder ist alles drei zutreffend, je nach Betrachtungsweise?

» Film in Mediathek

2025-02 | ARTE | Serie

In my Skin

Derzeit und bis zum 14.01.2026 läuft auf ARTE die englische Serie In my Skin. Die dark comedy der Autorin und Regisseurin Kayleigh Llewellyn wurde von 2018 bis 2021 gedreht und durch die BBC Three herausgebracht. Aus der Ankündigung auf ARTE:

Die aufsässige und stürmische Bethan verheimlicht in der Schule ihre dramatischen Familienverhältnisse. Die tragikomische Coming-of-Age-Serie mit spitzzüngigen Dialogen zeichnet das subtile Porträt einer Jugendlichen, die ihr Leben auf eine ungewöhnliche Art anpackt.

In Wales gibt sich die 16-jährige Bethan Gwyndaf vor ihren Mitschülern Travis und Lydia fröhlich und sorglos, doch hinter dieser Fassade verbirgt sich ein schwieriger Familienalltag. Nicht genug, dass sie sich um ihre bipolare Mutter Trina kümmern muss. Auch ihr Vater Dilwyn, ein verantwortungsloser Alkoholiker, macht ihr das Leben schwer. Als Trina nach einem manischen Anfall in die Psychiatrie eingewiesen wird, tritt Bethans Schreibtalent zutage.

Nach außen hin spielt sie die aufsässige Jugendliche, daheim fungiert sie als letzte Stütze einer dysfunktionalen Familie. Bethan führt ein Doppelleben und verschweigt ihren Freunden die Dämonen, die ihren Alltag erdrücken. Mit ihrer bipolaren Mutter, die sie vor ihrem alkoholkranken, untätigen und aufbrausenden Vater beschützen muss, trägt das Mädchen eine viel zu schwere Last. Davon lässt sie sich nichts anmerken und flüchtet zusammen mit ihren Mitschülern ins Teenagerdasein, doch irgendwann bricht die Fassade zusammen.

Ohne jemals in Pathos zu verfallen, manövriert die Serie geschickt zwischen dem jugendlichen Leichtsinn der Tochter, den manisch-depressiven Schüben der Mutter und dem Verfall des Vaters, um die übergroße Verantwortung der jungen Protagonistin, die in die Rolle einer Erwachsenen schlüpfen muss, in den Fokus zu rücken. Gabrielle Creevy, Jo Hartley und Di Botcher bilden ein wunderbares Trio aus Tochter, Mutter und Großmutter, das wie eine Ode an die Schwesternschaft anmutet.

Dem habe ich wenig hinzuzufügen. Ich habe die Serie gerade zu Ende geschaut und bin begeistert. Very british und trotz der komödiantischen Schauspielkunst schmerzhaft realistisch! Derzeit habe ich vier Klientinnen in Psychotherapie, die genauso intelligent wie Beth sind und verblüffend ähnliche Schicksale erlitten haben. Eine Warnung möchte ich für alle sensiblen Menschen aussprechen. Die erste Staffel ist über weite Teile eher Komödie, die Tragödie deutet sich nur an und nimmt erst in der zweiten Staffel richtig Fahrt auf. In der Episode 3 der zweiten Staffel explodiert die unterschwellige Anspannung in einen Gewaltexzess. Dies zu schauen, war für mich schwer auszuhalten, weil ich morgens noch eine Klientin da hatte, die von ähnlich schlimmen Erlebnissen erzählt hatte. Und genauso wie Beth konnte sie als Heranwachsende nicht reden und hat keine angemessene Unterstützung erfahren.

In der Folge 4 der zweiten Staffel kommt es zu einem kleinen, zärtlichen Dialog zwischen Beth und der Freundin Cam, der die ausweglose Tragik von Beth unerträglich verdichtet:

Cam: Wer weiß noch davon?
Beth: Niemand. Nur Du.
Cam: Warum hast du nichts gesagt?
Beth: Keine Ahnung.
Cam: Nein, komm schon. Warum?
Beth: Weil ich mich schäme.

Falls Sie die schwarzhumorige, nervöse Unterschwelligkeit der ersten Serie und den gewalttätigen Spannungsbogen der zweiten Serie nicht ertragen, schauen Sie ausschließlich die letzte Folge. Sie ist so zartfühlend, so wundervoll, so rührend - nicht alles wendet sich zum Guten und das, was gut wird, ist schmerzhaft -, dass meine Frau und ich die ganze Zeit still geweint haben.

» Stream auf ARTE
» Wikipedia

Folgend einige Hinweise zum Gebrauch und zum konzeptionellen Hintergrund dieser Website:

Schmökern

Diese Website ist zum Schmökern gedacht. Sie ist gefüllt mit Informationen, die sich an verschiedene Gruppen richten: Kinder aus Suchtfamilien, PartnerInnen, Eltern, andere Angehörige, Freunde, Kollegen, Suchtbetroffene, Fachleute, Journalisten und alle anderen, die sich informieren wollen. Die Inhalte bilden das Spektrum von trockenen Fachkonzepten bis hin zu kreativen Medien ab. Um Ihnen die Orientierung zu erleichtern, gibt es erstens ein Sidemap, welches Sie auf jeder Seite unten links im Footer aufrufen können. Zweitens finden Sie unten auf den Seiten die Rubrik Obendrein mit Vorschlägen für inhaltlich ähnliche, weiterführende Seiten.

» Sidemap

Eine Angehörigenproblematik

Verschiedene Gruppen sind als Angehörige von Sucht betroffen: Kinder, erwachsene Kinder, Partner, Eltern, Geschwister, Freunde, Arbeitskollegen, Suchthelfer etc. Die Betroffenheit hat zwar viele individuelle Gesichter, doch es gibt meines Erachtens nur eine Angehörigenproblematik. Das möchte ich Ihnen anhand von zwei Argumenten erläutern.

Erstens überschneiden sich die Betroffenengruppen erheblich. Dies liegt an der co-abhängigen Transmission (» mehr). Mädchen - seltener Jungen - aus Suchtfamilien, suchen sich als Erwachsene überdurchschnittlich häufig suchtkranke Partner. Aus diesen (co-)abhängigen Partnerschaften gehen wiederum süchtig und co-abhängig gefährdete Kinder hervor. Geschätzt die Hälfte der Partnerinnen und Mütter und auch, doch seltener Partner und Väter, die ich in über 20 Jahren Angehörigenarbeit behandelt habe, ist biografisch schon durch eine Kindheit in einer Suchtfamilie vorbelastet gewesen.

Zweitens sind alle Personen, die in einem engen, langfristigen Kontakt mit Suchtkranken stehen, denselben Belastungen ausgesetzt: Das berauschte und entzügige Verhalten der Suchtkranken ist selbstsüchtig, verantwortungslos und unzuverlässig. Als Reaktion darauf entwickeln die Angehörigen komplementäre Muster der Selbstlosigkeit, Verantwortungsübernahme und Verlässlichkeit, um die Defizite der Suchtkranken auszugleichen. Auch wenn Kinder zweifelsohne aufgrund ihrer ungefestigten Persönlichkeit besonders vulnerabel sind, sind die psychosozialen Leiden und Folgeprobleme der unterschiedlichen Angehörigengruppen im Prinzip dieselben.

Aus den beiden genannten Gründen wird die Angehörigenproblematik auf dieser Website ganzheitlich betrachtet und behandelt.

Suchthelfer sind Angehörige

Bevor ich mich ambulant als Psychotherapeut niedergelassen habe, habe ich lange als Suchttherapeut gearbeitet. Damals habe ich nach und nach begriffen, dass die Themen und Probleme der Angehörigen ähnlich den beruflichen Herausforderungen der Suchthilfe sind. Auch Suchthelfer können sich in selbst aufopfernden und Verantwortung schulternden Mustern verlieren. Wie Dachdecker vom Dach fallen können, können sich Suchthelfer verstricken. Es ist ihr Berufsrisiko.

Die therapeutische Arbeit mit Angehörigen ist Psychohygiene für Suchthelfer. Indem ich Angehörigen geholfen habe, klarer zu werden und sich besser abzugrenzen, habe ich implizit gelernt, mich gegenüber der suchtkranken Klientel konsequenter zu verhalten. Es hat mir geholfen, sowohl die Sorge für die süchtige Klientel als auch die Selbstfürsorge im Berufsalltag besser auszubalancieren, um nicht auszubrennen und hart und negativ zu werden. Zynismus ist eine häufig zu findende Form der psychischen Beschädigung von Suchthelfern und Angehörigen.

Der Begriff Angehörige wird auf dieser Website als eine Kategorie verwendet, unter die auch Suchthelfer fallen. Alle Inhalte richten sich gleichermaßen an familiär und beruflich Betroffene.

Angehörige von psychisch kranken Personen

Alle Angehörigen von psychisch kranken Personen sind belastet. Warum beschränkt sich diese Website auf das Angehörigenthema der Sucht?

Abhängigkeitserkankungen sind auch psychische Störungen, doch sie unterscheiden sich in einem Aspekt von den meisten anderen psychischen Störungen. Der Suchtmittelmissbrauch ist der Versuch, eine primäre psychische Erkrankung zu bewältigen. Durch den Rausch werden die psychischen Leiden betäubt. Kurzfristig sorgt dies zwar für Erleichterung, doch langfristig verschlimmert sich derart die primäre Problematik und schafft zudem zerstörerische Folgeprobleme. In der Problemverleugnung, den süchtigen Manipulationen, Beschämungen und Beschuldigungen und den rausch- und entzugsbedingten Übergriffigkeiten entwickeln Suchterkrankungen zerstörerische Auswirkungen auf das soziale Umfeld.

Diese schädigenden sozialen Effekte sind bei anderen psychischen Störungen in der Stärke und dem Ausmaß nur selten zu finden. Bitte missverstehen Sie mein Argument nicht, es beschreibt nur eine Tendenz. Ihre konkrete, individuelle Situation kann nämlich ganz anders aussehen, z.B. können Angehörige von Personen mit Impulskontrollstörungen ebenfalls Übergriffigkeiten erfahren. Übrigens gehen solche aggressiven Störungen häufig mit Suchtmittelmissbrauch einher. Nichtsdestotrotz ist - im Gegensatz zur süchtigen Uueinsichtigkeit - den meisten psychisch erkrankten Personen sehr wohl bewusst, dass sie krank sind, und sie tun alles, damit andere nicht in Mitleidenschaft gezogen werden.

Diese Website muss inhaltlich begrenzt werden, damit sie nicht ausufert und beliebig wird. Diese Entscheidung hat Vorteile, sie hat aber auch Nachteile. Die Problematik von Angehörigen psychisch kranker Personen wird auf CO-ABHAENIGIG.de implizit berücksichtigt. Sind Sie als Angehörige in diesem Sinne betroffen, sind Sie eingeladen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu erkunden.

Illustrationen

Die Illustrationen von Prinzessin & Frosch, welche diese Website schmücken, sind von Sina Gruber, eine junge Künstlerin und damals Studentin der Psychologie aus Kassel. Die 23 Werke entstanden 2013 auf Grundlage des Manuskriptentwurfs zum Ratgeber "Ich will mein Leben zurück!"

Anliegen

Co-ABHAENGIG.de habe ich 2010 eingerichtet, als mein erstes Fachbuch zum Thema herauskam. Damals hat es im deutschsprachigen Raum kaum informative Internetrepräsentationen zum Thema gegeben. Seitdem sind zwei weitere Fachbücher entstanden, ich habe eine Reihe an Artikeln verfasst, unzählige Vorträge gehalten, Interviews gegeben und Workshops und Fortbildungen zum Thema durchgeführt. Darüber hatte ich viele bereichernde Begegnungen zu Betroffenen wie auch zu anderen, in der Sache engagierten Fachleuten. Es sind kleinere und größere, kurz- und langfristige Kooperationen zustande gekommen. Vor allem aber habe ich von meinen Klienten gelernt. Ihre Erfahrungen sind für mich Geschenke. Ich bin dankbar, dass ich an ihren Entwicklungen, sich zu befreien und ihr Leben zurückzuerobern, teilhaben darf.

So ist aus dem in der Freizeit gepflegten Steckenpferd mein heutiger Arbeitsschwerpunkt geworden. Mit diesem Prozess ist auch die Website peu à peu gewachsen. Motiviert durch die Kooperation mit der Kollegin und Mitautorin, Judith Barth, habe ich mit dem Jahreswechsel 2020/21 alle Inhalte gründlich überarbeitet, Design und Navigation erneuert und jede Menge neue Seiten hinzugefügt. Das Motiv für mein Engagement hat sich in all den Jahren nicht verändert: Ich möchte über eine tabuisierte Thematik aufklären und zum kritischen Nachsinnen und konkreten Handeln anregen. Darüber hinaus gestalte ich die Website eigenständig und unabhängig und verfolge damit keine wirtschaftlichen, institutionellen oder sonstigen Interessen.

meditierende prinzessin