Süchtige klagen laut, Angehörige leiden still.

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Aktuelles

Folgend finden Sie aktuelle Informationen und Kommentare zur Angehörigenthematik der Sucht, z.B. zu neuen Angeboten, gesundheitspolitischen Ereignissen, Buchveröffentlichungen und zu Aktivitäten des Autors.

Ältere Beiträge können Sie hier einsehen: » Archiv.

2024-02 | Rezension | Schloss aus Glass

Walls, J. (2005). Schloss aus Glas. Hamburg: Hoffmann und Campe.

Schon länger wollte ich den Roman Schloss aus Glass von Jeanette Walls lesen und den auf dem Buch basierenden Film schauen. Das vorweg: Buch und Film hielten, was sie versprachen. In der folgenden Rezension konzentriere ich mich auf das Buch. Eine zusätzliche Einschätzung zum Film finden Sie auf der Seite Medien in der Rubrik Spielfilme. Zum biografischen Hintergrund von Film und Buch auf Wikipedia:

Der Film basiert auf dem autobiografischen Roman Schloss aus Glas (Originaltitel The Glass Castle: A Memoir) von Jeannette Walls aus dem Jahr 2005, ... Walls beschreibt in Schloss aus Glas ihre schwere Kindheit und wie ihre Eltern mit vier Kindern durch die USA vagabundierten. In den ersten fünf Jahren ihrer Ehe hatten ihre Eltern 27 Adressen, da ihr Vater es an keinem Arbeitsplatz länger aushielt und kein Geld für die Miete hatte. Zudem fühlte sich der alkoholkranke und wahrscheinlich bipolare Rex vom FBI verfolgt. Rose Mary, ihre Mutter, war wahrscheinlich auch bipolar und hielt sich für eine Künstlerin.

Die Kinder mussten oft hungern, in zerschlissener Kleidung herumlaufen und wurden daher in den verschiedenen Schulen, die sie besuchten, von ihren Mitschülern gehänselt. Als die Familie in den Heimatort des Vaters Welch in den Appalachen zurückkehrte, lebten sie bei Verwandten in einem Haus mit drei Zimmern ohne Wasser, Strom und Heizung, wo es feucht und schmutzig war und von Ungeziefer, Schlangen und Ratten wimmelte. Da Jeannette dies nicht mehr aushielt, schlug sie sich im Alter von 17 Jahren bis nach New York durch, wo sie in der Bronx bei ihrer älteren Schwester Lori wohnte. Dort machte sie ihren Schulabschluss, lieh sich von allen möglichen Leuten Geld und arbeitete in einer Anwaltskanzlei, um sich das Studium auf dem New Yorker Barnard College zu finanzieren.

Die Geschichte von Schloss aus Glas gewinnt ihre Dramatik aus der vielschichtigen Ambivalenz einer Suchtfamilie. Die amerikanische Journalistin Jeanette Walls erzählt die Ereignisse ihrer Kindheit, ohne normative oder sittliche Maßstäbe anzulegen. Sie beschreibt - typisch Journalistin - aus einer eher äußeren Perspektive, ohne zu verurteilen oder zu idealisieren. Dem Leser hilft diese nüchterne Mehrperspektivität, Abstand zu wahren und sich weder mit der Liebe, den Abenteuern und der Faszination des Vagabunden-Lebens der Walls noch mit den Entbehrungen, Erniedrigungen und Leiden der Kinder allzu sehr zu identifizieren.

Mal schlägt das Pendel in die eine Richtung aus: "Reiche Stadtmenschen hatten schicke Wohnungen, aber ihre Luft war so verschmutzt, dass sie die Sterne nicht einmal sehen konnten, und wir wären ja schön verrückt, wenn wir mit ihnen tauschen wollten", mal in die andere Richtung: "Und mit erhobener Stimme fügte ich hinzu: »Ich hatte Hunger.« Mom starrte mich erschrocken an. Ich hatte gegen eine unserer stillschweigenden Regeln verstoßen: Es wurde von uns erwartet, dass wir stets so taten, als wäre unser Leben ein einziges langes, unglaublich lustiges Abenteuer."

Walls schafft es bis zum Ende, diese Ambivalenz feinfühlig auszubalancieren. Dieser Herangehensweise ist geschuldet, dass sie selten eine Innenperspektive des kindlichen Erlebens einnimmt. Der Hunger, der Ekel und die Schmerzen der Protagonistin Jeanette werden zwar benannt, doch werden sie mit wenigen Ausnahmen nicht näher ausgeführt, anders als z.B. in dem autobiografischen Roman Shuggie Bain. Diese sachliche Erlebensverzerrung ist typisch für traumatisierte Kinder aus Suchtfamilien, es ist eine funktionale Überlebensstrategie. Walls bleibt als Lieblingstochter so gegenüber Vater und Mutter loyal, sie schützt sich und ihre Familie vor moralischer Vereinnahmung durch andere und ihre Geschichte ist dadurch zugänglicher, lesbarer als die von Shuggie Bain.

Bei letzterer Autobiografie zersetzen die Auswirkungen des Suchtmittelkonsums die Familienbande und Shuggie, wie auch die älteren Geschwister zuvor, befreit sich, indem er weggeht. Bei Schloss aus Glass wird der Familienzusammenhalt hingegen durch die suchtbedingten Katastrophen noch gestärkt und die Protagonistin findet zu sich, indem sie in den Schoß der Familie zurückkehrt und zu dieser und der gemeinsamen Geschichte steht.

Obendrein nimmt Walls durch die nüchterne Erzählperspektive den mannigfaltigen Traumata den Schrecken, überfordert die LeserInnen nicht emotional und macht das Thema der Suchtfamilie einem breiterem Publikum zugänglich. Schloss aus Glass konnte so ein Bestseller werden. Zwar haben der Vater und die Mutter auf fast schon sympathische Art und Weise darin versagt, ihre grandiosen beruflichen, künstlerischen und gesellschaftlichen Ansprüche und Versprechungen zu verwirklichen, doch die Tochter macht es besser und gibt der familiären Geschichte eine unverhoffte, erfolgreiche Wendung. Sie versilbert, so kann man es metaphorisch sagen, das Scheitern des Vaters, Gold zu finden.

Im Film wirft die erwachsene Jeanette dem Vater am Ende vor: "Reden ist nicht gleich Handeln." Die Autorin Jeanette Walls scheint diesen tragischen Zwiespalt ihrer Eltern im und durch das Schreiben überwunden zu haben. Es ist eine resiliente Geschichte.

» Wikipedia

2024-01 | Sonntagszeitung FAZ | Artikel

Vor einigen Wochen hatte ich ein Interview mit der Journalistin Alexandra Dehe von der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung zur Angehörigenproblematik der Sucht. Schon im Interview war ich positiv überrascht, dass Frau Dehe die in meinen Augen richtigen Fragen stellt. Ihr Artikel unter dem Titel "Hör auf!" ist am 14.01. veröffentlicht worden. Die appellhafte Überschrift ist doppeldeutig, weil er sich gleichermaßen auf das dysfunktionale, abhängige Handeln von Suchtkranken und Angehörigen bezieht.

Von der Qualität des Artikels bin ich sehr angetan. Anhand von zwei typischen Fällen durchdringt Frau Dehe die partnerschaftlichen Auswirkungen der Sucht, die Probleme und Not der Angehörigen sowie das tragische Aufeinanderbezogensein von Sucht und Co-Abhängigkeit. In der Kürze des Textes bringt sie die Betroffenheit und den Unterstützungsbedarf der Angehörigen auf den Punkt. Eine Kostprobe aus dem lesenswerten Text:

Er glaubte, als Ehemann versagt zu haben. Obwohl seine Frau keine Rückfälle hatte, ging es ihm noch schlechter als in den Jahren zuvor. Hinzu kamen Symptome wie Schlaflosigkeit, ständige Schweißausbrüche und Panikattacken. „Da wusste ich, dass es so nicht weiterging, und habe eine Therapie angefangen“, sagt Thomas. Bis dahin dachte er, sich Hilfe zu suchen sei Ausdruck von Schwäche – heute ist er davon überzeugt, dass es ein Zeichen von Stärke ist.

Bedauerlicherweise benötigen Sie ein ABO der FAZ, um den Artikel zu lesen. Falls Sie dennoch hineinschauen wollen: Ein dreiwöchiges Probe-ABO ist kostenfrei. Doch vergessen Sie nicht, es zu kündigen!

» Artikel

2024-01 | Memorandum DHS | Stellungnahme

Mein Anspruch für Co-ABHAENGIG.de ist, möglichst positive, angehörigenzentrierte Inhalte zu liefern. Doch das Anliegen ist auch, kritisch aufzuklären. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) hat im letzten Newsletter (5.2023) informiert, ihr Memorandum "Angehörige in der Suchtselbsthilfe" nach zehn Jahren erneuert zu haben. Der selbsterklärte Anspruch ist, die Diskussion anzuregen.

Der Text ist meines Erachtens weder erneuert noch liefert er diskussionswürdige, angehörigenzentrierte Erkenntnisse. In dem Memorandum schafft es die DHS, nahezu die gesamte Literatur, fast alle fundierten Modelle und Konzepte und die vollständige empirische Datenlage auszublenden. Dies überrascht vor allem vor dem Hintergrund, weil die Materialien der DHS in Bezug auf Suchtmittel, Suchtkonsum und Abhängigkeitserkrankungen stets auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand sind.

Eigentlich wollte ich mich zu dieser defizitären "Leistung" nicht äußern, weil kein Ansatzpunkt da ist, konstruktiv Kritik zu üben. Doch dann hat es mir trotzdem in den Fingern gejuckt und ich habe eine Stellungnahme geschrieben. Mein Motiv dabei war weniger, Kritik zu üben, als vielmehr einen Kontrapunkt zu setzen und genau das tun, was die DHS nicht tut, nämlich die Literatur, die Konzepte, die Empirie und vor allem die AutorInnen, die sich in der Angehörigensache verdient gemacht haben, zu benennen und so zu würdigen. Aber bitte lesen und urteilen Sie selbst!

Die Stellungnahme habe ich der DHS zugesendet.

» Stellungnahme Flassbeck
» Memorandum DHS

2023-12 | Weiße Weihnacht

Als Psychotherapeut ist die Zeit um Weihnachten stets schwierig. Bei KlientInnen, die aus kaputten Elternhäuser kommen, z.B. weil die Eltern tranken, kommen die Erinnerungen an eine unglückliche Vergangenheit hoch. Und für KlientInnen, die mitten drin stecken, weil eine nahestehende Person suchtkrank ist, ist die Zeit emotional vergiftet, weil sie den widerlichen Auswirkungen der Sucht ausgesetzt sind und weil sie mit ihrer Sehnsucht konfrontiert sind, wie schön die Festtage sein könnten, wenn die Sucht nicht wäre.

Schauen Sie sich bitte die Weihnachtsgeschichte an! Es ist eine Erzählung, in der Not, Leid und Freude vorkommen. In diesem Sinne bedeutet Feiern, sich zu besinnen und sich sowohl über Wunder Leben zu freuen als auch über das Leid, welches Leben mit sich bringt, zu trauern. Die Kerzen, die wir im Dunkeln anzünden, symbolisieren beides. Feiern ist, zu staunen, zu lachen und auch zu weinen.

"Alle Kinder haben ein Recht auf Weiße Weihnacht." Unter diesem Motto nehme ich seit Jahren an der Kampagne Weiße Weihnacht teil und verzichte in trauriger Solidarität mit den Kindern aus Suchtfamilien über die Feiertage auf Alkohol. Unberauscht singt es sich viel schöner am Weihnachtsbaum. Und weil das Feiern mit nüchternem Kopf mehr Spaß macht, dehne ich die Aktion ebenfalls auf Silvester aus. Ein heißer Kinderpunsch zum Jahreswechsel schmeckt und wärmt wunderbar und das Feuerwerk kann man mit nüchternen Augen viel klarer genießen.

Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen Advent, schöne Festtage und einen gelingen Jahreswechsel!

Hinweis: Das Bild zu diesem Artikel stammt von Stefanie Moshammer, einer Schweizer Künstlerin. Sie hat zum Thema Alkoholismus von Frauen, die gesellschaftlichen Stereotype von Suchtmittel und Frau, aber auch zu der familiären Betroffenheit eine Ausstellung gemacht: "Each Poison a Pillow". Auf der Website der Künstlerin können Sie Fotos dazu einsehen.

» Website Weiße Weihnacht
» Webste Stefanie Moshammer

2023-12 | Roman | Rezension

Wahl, C. (2023). 22 Bahnen. Köln: DuMont.

Zur Geschichte aus der Zusammenfassung auf der Website des Verlags:

Tildas Tage sind strikt durchgetaktet: studieren, an der Supermarktkasse sitzen, sich um ihre kleine Schwester Ida kümmern – und an schlechten Tagen auch um die Mutter. Zu dritt wohnen sie im traurigsten Haus der Fröhlichstraße in einer Kleinstadt, die Tilda hasst. Ihre Freunde sind längst weg, leben in Amsterdam oder Berlin, nur Tilda ist geblieben. Denn irgendjemand muss für Ida da sein, Geld verdienen, die Verantwortung tragen. Nennenswerte Väter gibt es keine, die Mutter ist alkoholabhängig. Eines Tages aber geraten die Dinge in Bewegung: Tilda bekommt eine Promotion in Berlin in Aussicht gestellt, und es blitzt eine Zukunft auf, die Freiheit verspricht. Und Viktor taucht auf, der große Bruder von Ivan, mit dem Tilda früher befreundet war. Viktor, der – genau wie sie – immer 22 Bahnen schwimmt. Doch als Tilda schon beinahe glaubt, es könnte alles gut werden, gerät die Situation zu Hause vollends außer Kontrolle.

Nach ca. ein Drittel des Buches wollte ich nicht mehr weiter lesen. Es war mir alles zu schön, um wahr zu sein. Die Protagonisten der Geschichte sind mir zu intelligent, zu mutig und zu lebenserfahren, es entspricht nicht ihrem Alter. Trotz der widrigen Umstände machen sie stets alles richtig und sagen immer das Richtige. Das war mir zu glatt und es fehlte mir der Tiefgang, wie ihn andere Romane zum Thema haben, z.B. "Shuggie Bain" oder "Streulicht". Dann hat mich das Buch doch noch gefesselt. Warum?

Tilda und Ina repräsentieren die resiliente Gruppe an Kindern aus Suchtfamilien (40%), die unbeschadet ins Leben gehen. Tilda und Ina sind Modelle dafür, wie man den widrigen Verhältnissen einer Suchtfamilie trotzen kann, was man sagen kann, wenn die suchtkranke Mutter lügt und manipuliert, und wie man sich trotz allem treu bleiben, Unabhängigkeit wahren und den eigenen Weg gehen kann. Und die Liebesgeschichte zwischen Tilda und Viktor ist eine Blaupause dafür, wie zwischenmenschliche Annäherung, Vertrauen und Liebe möglich sind, ohne die eigene Unabhängigkeit aufzugeben.

"22 Bahnen" ist ein eher leichtes, trotziges und fast schon fröhliches Buch. Caroline Wahl schafft es, eine heitere und tröstende Geschichte über die Unbilden des Daseins zu erzählen, ohne kitschig zu werden. Für mich als Psychotherapeut liegt der besondere Wert des Werkes in seinem resilienten Charakter. Deswegen werde ich es in der Therapie nutzen und es Betroffenen empfehlen. Ich möchte mit einem wunderbaren Zitat aus dem Buch von S. 105 und 106 schließen, welches mir aus der Seele spricht:

Die Gewissheit, dass ich vieles verlieren kann, einen Vater, eine Mutter, eine normale Kindheit, dass nichts sicher und beständig ist, dass aber Bücher trotz allem bleiben, dass mir niemand diese Geschichten, diese Welten wegnehmen kann, in die ich zu flüchten vermag, beruhigt mich und macht mich unverwundbar.

» 22 Bahnen auf Website DuMont

2023-11 | Allison Russel | Album

Allison Russell (2021). Outside Child. Chicago: Fantasy Records.

Ein erwachsenes Kind aus einer Suchtfamilie hat mir das Album "Outside Child" von Allison Russell empfohlen. Und weil man es nicht trefflicher formulieren kann, zitiere ich den Eintrag zum Album auf Wikipedia:

Outside Child is the debut album by Canadian singer-songwriter, poet, activist and multi-instrumentalist Allison Russell. Produced by Dan Knobler and released by Fantasy Records on May 21, 2021, it is Russell's first release as a solo artist following two decades of performing and releasing music as a member of the groups Po' Girl, Birds of Chicago and Our Native Daughters. Lyrically, the album details Russell's experiences with the abuse she endured as a child at the hands of her stepfather, with The New York Times describing it as “a harrowing story of survivor's joy” and Russell herself stating that “the record itself isn't really about abuse. It's about the journey out of that, and breaking those cycles. It is about resilience, survival, transcendence, the redemptive power of art, community, connection, and chosen family”.

» Outside child auf Wikipedia
» Nightflyer auf Youtube

2023-10 | Co-ABHAENGIG.de | Neue Seite

Neue Seite Raus aus der Falle

Im September habe ich einen Workshop gegeben. Eingeladen hatte mich der Bundesverband der Elternkreise suchtgefährdeter und suchtkranker Söhne & Töchter e.V. (BVEK). Der eintägige Workshop fand im Rahmen der Herbsttagung des BVEK statt, welcher dieses Jahr das 50. Jubiläum feierte. Der Titel lautete: Gefangen in Verantwortung und Hilflosigkeit - lebenslänglich? Es waren über 80 Eltern aus ganz Deutschland gekommen, die überwiegend bewährte ModeratorInnen von Elternkreisen waren. Wir hatten einen lebendigen Tag und ich bin beeindruckt von der Offenheit, Erfahrung und Kompetenz der TeilnehmerInnen nach Hause gefahren.

Vier Wochen später habe ich noch einen eintägigen Workshop gegeben, diesmal veranstaltet von der Baden-Württembergischen Landesvereinigung der ElternSelbsthilfe Suchtgefährdeter und Suchtkranker e.V. Dieser Workshop war zwar etwas kleiner, doch intensiv und ebenso lehrreich. Bereichert von den vielfältigen Begegnungen und Einsichten, habe ich für Co-ABHAENGIG.de eine neue Seite entwickelt und programmiert: Raus aus der Falle. Es werden neun co-abhängige Fallen bzw. Schemata dargestellt und Anregungen gegeben, diese abzumildern. Aber schauen Sie bitte selbst!

» Neue Seite Raus aus der Falle
» Bundesverband Elternkreise
» ElternSelbsthilfe Baden-Württemberg

2023-10 | Film | Rezension

Ich komme gerade aus dem Kino: "Fallende Blätter" von Aki Kaurismäki. Es ist ein typischer, eigenwilliger Film des finnischen Regisseurs. Jede Szene ist wie ein Gemälde. Die Dramaturgie der Bilder wird u.a. durch den Kontrast gespeist, dass die Geschichte zwar in die heutige Zeit eingebettet ist, doch mit Requesiten der 60er und 70er Jahre ausgestattet ist. Und es wird wenig gesprochen. Vor vielen Jahren hatte ich eine Finnin in Therapie. Sie saß kaum, als sie mir lakonisch mitteilte, wie sehr es sie nerve, dass Deutsche so viel sprechen und sich für alles rechtfertigen müssen. Wir haben oft geschwiegen, was mir gefallen hat.

In diesem Sinne will ich kein überflüssiges Wort über Fallende Blätter verlieren. Nur so viel: Es geht um eine tragikkomische Liebesgeschichte zwischen zwei proletarischen Verlieren. Die nicht mehr junge Frau ist Kind aus einer Suchtfamilie. Der Vater starb durch Alkohol, die Mutter vor Kummer. Der ebenso nicht mehr junge Mann ist ein Trinker, der nichts mehr vom Leben erwartet.

Der Film ist eine pragmatische, nicht humorlose Blaupause, wie Klarheit und Nüchternheit hilft, Unabhängigkeit zu wahren und Liebe zu ermöglichen. Beide Protagonisten sind zwar wortkarg, doch keinesfalls sprachlos. Der ruhige Erzählstrom von Kaurismäki erlaubt es dem Zuschauer, sich bevormundungsfrei eigene Gedanken über das Gesehene zu machen und den eigenen Stimmungen nachzugehen. - Eine kleine Geschichte und großes europäisches Kino!

» Filmtrailer

2023-10 | Neue Website | Hilfen im Netz

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Es gibt eine neue Online-Plattform namens Hilfen im Netz für Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener suchtkranker und psychisch kranker Eltern. Die Website ist durch die Drogenhilfe Köln e.V. in Kooperation mit NACOA Deutschland erstellt worden und führt die Online-Beratung von KidKit und NACOA zusammen. Die Zusammenführung ist ein Schritt des geplanten Ausbaus und der zugesagten Förderung von Angeboten für die Zielgruppe durch das Bundesgesundheits- und Bundesfamilienministerium.

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