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Archiv

Nachstehend finden Sie ältere Artikel aus diesem und den Vorjahren zum Thema der Angehörigen und meinem Engagement in der Sache.

2021-12 | Weiße Weihnacht

Als Psychotherapeut ist die Zeit um Weihnachten stets schwierig. Bei KlientInnen, die aus kaputten Elternhäuser kommen, z.B. weil die Eltern tranken, kommen die Erinnerungen an eine unglückliche Vergangenheit hoch. Und für KlientInnen, die mitten drin stecken, weil eine nahestehende Person suchtkrank ist, ist die Zeit emotional vergiftet, weil sie damit konfrontiert sind, wie schön die Festtage sein könnten, wenn die Sucht nicht wäre.

"Alle Kinder haben ein Recht auf Weiße Weihnacht." Unter diesem Motto nehme ich seit Jahren an der Kampagne Weiße Weihnacht teil und verzichte in Solidarität mit den Kindern aus Suchtfamilien über die Feiertage auf Alkohol. Unberauscht singt es sich viel schöner am leuchtenden Weihnachtsbaum. Und weil das Feiern mit nüchternen Kopf mehr Spaß macht, dehne ich die Aktion ebenfalls auf Silvester und andere Feiertage aus. Ein heißer Kinder- oder Teepunsch zum Jahreswechsel schmeckt und wärmt wunderbar und das Feuerwerk kann man mit nüchternen Augen viel klarer genießen. Ich wünsche besinnliche Festtage!

» Website Weiße Weihnacht

2021-11 | Selbsthilfetag OWL

Am Samstag den 13.11. geht die Selbsthilfe OWL mit einem gemeinsamen Aktionstag online und zeigt mit zahlreichen Veranstaltungsangeboten was sie drauf hat und was in ihr steckt. Unter dem Motto "Ohne Wir Läuft nix!" können Interessierte einzelne Veranstaltungen wie Vorträge, Workshops und Gesprächsrunden zu unterschiedlichen Themen der Selbsthilfe besuchen. Anmeldungen sind bis zum 07.11. möglich.

Mein Beitrag lautet: "Angehörige im Sog der Sucht" und behandelt Aspekte einer Selbsthilfe von und für Angehörige. Beim Sinnieren, was ich in dem Vortrag inhaltlich herüberbringen will, kam mir die Idee, diese Website mit einem Konzept für angehörigenzentrierte Selbsthilfe anzureichern. Nach Absprache mit den Veranstaltern habe ich das Honorar für den Vortrag an NACOA gespendet.

» Flyer
» Konzept Selbsthilfe

2021-11 | Fortbildung

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Am letzten Wochenende im Oktober habe ich die erste zweitägige Fortbildung in "Angehörigenzenrierter Beratung/Therapie" in Altenkirchen durchgeführt. Diese fand in Kooperation mit dem Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung in Rheinland-Pfalz und der Diakonie Altenkirchen statt. Die Fortbildung basierte auf dem Fachbuch "Die langen Schatten der Sucht" (Flassbeck & Barth, 2020). Inhalte waren Anamnese, Analyse, Diagnostik und Behandlung von erwachsenen Kindern aus Suchtfamilien und anderen betroffenen Angehörigen. Die Teilnehmergruppe bestand vor allem aus in Beratung und Prävention tätigen SozialarbeiterInnen mit zum Teil vielen Jahren Erfahrung in der Arbeit mit Angehörigen.

Es ergab sich ein anregender Spannungsbogen zwischen den konkreten Erfahrungen und Fragen, die die TeilnehmerInnen aus ihrem Berufsalltag und auch Privatleben mitbrachten, anwendungsbezogenen Übungen mit Selbsterfahrungesanteilen und der Vermittlung von methodischen Wissensinhalten, Kompetenzen und Strategien. Das einhellige Resüme der TeilnehmerInnen und mir war, dass wir noch ein bis zwei Tage mehr für die Supervision konkreter Fälle gebraucht hätten. Mein Ziel ist es, eine viertägige, zertifizierte Fortbildung für Präventionskräfte, Suchtberater/-therapeuten und Psychotherapeuten zu etablieren, die Qualitätsstandards in der Arbeit mit Angehörigen setzt.

2021-10 | Deutschlandradio | Plus Eins

deutschlandfunk

Utz Dräger vom Deutschlandfunk im Gespräch mit Plus Eins Autorin Sophie Rebmann, die die Geschichte von Emilia erzählt. Titel des Beitrags: Flucht vor alkoholkranken Eltern, "Und dann öffnete sich die Welt für mich".

Aus dem Beitrag (Plus Eins, 22.10.2021): "Emilia wächst mit einem alkoholkranken, gewalttätigen Vater auf. Als auch die Mutter zu trinken beginnt, ist sie auf sich allein gestellt. Emilia will ihr Elternhaus hinter sich lassen, aber kann sich nur schwer lösen. Doch irgendwann gelingt es... Bei Plus Eins erzählt Sophie Rebmann, wie Emilia es schafft, sich in einem langwierigen Prozess endlich vom Schatten der Eltern zu befreien. Es ist eine Geschichte über die Flucht aus den Fesseln der Kindheit und den starken Überlebenswillen einer Frau."

Es wird mit viel Sensibilität und liebevollen Verständnis die "normale", schreckliche Geschichte eines Kindes aus einer Suchtfamilie erzählt, wie sie Millionen Kinder aktuell in Deutschland erfahren. Unbedingt hörenswert, doch nichts für schwache Nerven!

» Podcast

2021-10 | Youtube-Kanal

NACOA Deutschland hat im Frühjahr einen Youtube-Kanal eingerichtet. Der Zeitzeichen-Redakteur Stephan Kosch und die Reporterin und Autorin Christina Rubarth führen mit Betroffenen und Experten Lunchtime-Interviews durch. Jede Woche gibt es ein neues Gespräch rund um den Themenbereich der suchtbelasteten Familie. Beispiele aus den Interviews: "Hilfe bei Verdacht auf Gewalt gegen Kinder - Interview mit der »Medizinischen Kinderschutzhotline«, "»Mit der Axt hinter uns hergerannt« - Interview mit Christina, Tochter eines alkoholkranken Vaters", "Die Mutter hinter der Tür - Interview mit der Sozialarbeiterin und Buchautorin Mira Galle".

» YouTube-Kanal NACOA

2021-10 | Lied | Bodo Rulf

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Bodo Rulf ist pensionierter Suchttherapeut und schreibt Lieder und Gedichte zum Themenkomplex Sucht, Schuld und Sehnsucht. Seine Texte sind aufrichtig, schonungslos und doch liebevoll. Ich nutze sein Gedicht "Das elfte Gebot" gerne in der Psychotherapie, wenn es darum geht, das deformierte, selbstunwerte Denken von traumatisierten erwachsenen Kinder aus Suchtfamilien und anderen Angehörigen behutsam in Frage zu stellen. Eine Kostprobe daraus: "Ich glaube daß es wichtig ist, zu mir zu halten und mich anzunehmen, auch und gerade dann, wenn ich mich absolut nicht leiden kann." (Rulf, B. (1992). Das elfte Gebot. Remscheid.) Bodo Rulf hat den ungesehenen Kindern ein Lied gewidmet und freundlicherweise CO-ABHAENGIG.de zum Veröffentlichen zugesendet: "Die im Dunkeln sieht man nicht". - Ganz herzlichen Dank dafür!

» Liedtext

2021-10 | Website

dreckige füße

In letzter Zeit habe ich einige Angehörige von psychisch kranken Bezugspersonen in der Therapie aufgenommen, vorwiegend erwachsene Kinder. Darüber bin ich mal wieder an die Grenze von CO-ABHAENGIG.de erinnert worden, sich ausschließlich auf die Angehörigenproblematik der Sucht zu konzentrieren. Angehörige und vor allem Kinder von psychisch kranken Personen sind ebenfalls belastet und können darüber Schaden nehmen.

Warum fokussiert diese Seite auf das Angehörigenproblem der Sucht? Abhängigkeitserkrankungen sind psychische Störungen. Darüber hinaus hat Suchtkonsum spezifische negative Begleit- und Folgeerscheinungen und soziale Auswirkungen. Sucht verschlimmert und aufrechterhält die zugrunde liegende psychische Störung. Hinzu kommen die suchttypischen Auffälligkeiten der Verantwortungsdelegation, der Uneinsichtigkeit, der Tabuisierung, der Beschämung und Beschuldigung des Umfelds und der rauschbedingten Enthemmung von Übergriffigkeiten. Nach meinen Erfahrungen hat Sucht deshalb besonders zerstörerische Auswirkungen auf das soziale Umfeld. Bei der Einrichtung dieser Website musste ich mich inhaltlich begrenzen, damit die Seite nicht ausufert, doch glücklich bin ich mit der Entscheidung nicht. CO-ABHAENGIG.de behandelt implizit auch die übergeordnete Problematik von Angehörigen psychisch kranker Personen.

2021-09 | Kommunikationsplattform

Die Kommunikationsplattform COA.KOM ist online. Die Plattform wird von NACOA Deutschland betrieben, gefördert durch das Bundesminsterium für Familien, Frauen und Jugend. Auf der Startseite wird erläutert: "COA.KOM ist eine Kommunikationsplattform rund um die Arbeit mit Kindern aus suchtbelasteten Familien, auf der sich Fachkräfte aus ganz Deutschland miteinander vernetzen und ihren Erfahrungsschatz - in einem geschützten Rahmen - teilen können."

Nachtrag 29.11.2021: Die Idee zur bundesweiten Vernetzung finde ich großartig. Zunächst war die Plattform ausschließlich für Fachkräfte gedacht, die mit "Kindern suchtbelasteter Eltern" arbeiten. Das ist von mir und anderen kritisiert worden. Mittlerweile haben die Verantwortlichen reagiert und nachgebessert. Auch die Problematik von erwachsenen Kindern und anderen Angehörigen findet nun Berücksichtigung. Das finde ich gut. In der korrigierten Form wird die Plattform der Angehörigenproblematik ganzheitlich gerecht.

» Website COA.KOM

2021-09 | Bundestagswahl

bundestag

Am 26.09. ist Bundestagswahl 2021. Die Wahl ist in einer Demokratie ein hohes Gut. Durch die Wahl können wir Bürger mitbestimmen. Die Angehörigenproblematik ist politisch. Diese Website pflege ich wegen der Ungerechtigkeit, dass suchtkranke Menschen in unserem Land nahezu grenzenlose Hilfe erhalten, während die betroffenen Angehörigen und suchttraumatisierten Kinder durch die Gesellschaft und das Hilfesystem vergessen werden.

Meine Wahl am 26.09. will ich davon bestimmen lassen, inwieweit Parteien in der pandämischen Weltkrise die Rechte von Kindern und kranken Menschen hochgehalten haben. Ich denke dabei vor allem an noch kleine und schon große Menschen, die familiär durch Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch betroffen sind. Meine Stimme soll diejenige Partei erhalten, die sich darin ausgezeichnet hat, sowohl notwendige Krisen-Maßnahmen als auch den Schutz und das Wohl dieser geschädigte und benachteiligten Menschen pragmatisch abzuwägen.

2021-08 | Roman | Rezension

Nicht ganz durch Zufall hat mich die Neuerscheinung Streulicht von Deniz Ohde gefunden. Eine Freundin wies mich darauf hin: "Es könnte dich interessieren. Es hat etwas mit deiner Arbeit zu tun." Schon lange habe ich keine Buch mehr in einem Rutsch verschlungen. Vom ersten bis zum letzten Satz hat es mich nicht losgelassen.

Zur Geschichte: Eine namenlose Ich-Erzählerin schildert ihre Kindheit und Jugend. Die Eltern sind türkische Einwanderer. Der Vater arbeitet, säuft - wie auch der Großvater - und ist kaufsüchtig, die Mutter opfert sich für andere auf und beide Eltern meiden misstrauisch und ängstlich jeglichen sozialen Kontakt. Lehrer und andere Erwachsene sehen das Kind nicht oder werten es ab. Auch andere Kinder lehnen das Kind als Ausländerin ab und die beiden einzigen Freunde, die es hat, sind zu sehr mit ihrem behüteten und normierten Leben beschäftigt, um es zu verstehen. Niemand wendet sich dem Kind zu oder traut ihm etwas zu. Es bleibt gesichtslos, ist stumm vor Angst und Scham, passt sich an, um nicht aufzufallen, und leidet still.

Als Psychologe könnte ich das Buch analysieren und kategorisieren. Ich könnte etwas Kluges über komplexe Traumatisierung, Dissoziation und Selbstwertstörung schreiben. Doch genau gegen dieses Unrecht, etikettiert und in Schubladen gesteckt zu werden, verwehrt sich die Erzählerin zu Recht. Ihre Schilderungen geben einen ungeschminkten, abgrundtiefen Einblick in das Innenleben eines Menschen, der nicht gesehen und nicht gehört und dem kein Raum gegeben wird, selber herauszufinden, wer er ist, was er denkt und fühlt und wie er sich im Leben verwirklichen will. Die Texte sind ein befreiender Aufschrei und eine selbstentfaltende Anklage eines mundtot gemachten Menschen. Das Buch will nicht kommentiert werden, es will gehört werden.

So soll die Protagonistin das letzte Wort haben (S. 64 - 66): "Die geringsten Änderungen an der Ausrichtung der Möbel richtig zu deuten, konnte für mich überlebenswichtig sein... Wenn die Wohnzimmertür geschlossen ist, dann beweg dich leise. Die Glassplitter waren nur die äußersten Zeichen, wenn diese auftraten, dann konnte es jeder andere auch sehen, aber es ging um das Davor. Es ging darum, sich besonders geschickt zu verhalten, bevor es losbrach, und sich aus der Schusslinie zu ziehen... Und allem gemein war diese Stille, für die mir ein sechstes Sinnesorgan wuchs... ich bemühte mich, so wenig Spuren wie möglich zu hinterlassen, damit niemand mich zur Rede stellen würde."

» Zum Buch bei Suhrkamp

2021-07 | Suchtmittelbedingte Krisen

notfallnummer 112

In der letzten Zeit haben mir etliche Angehörige besorgt von suchtmittelbedingten psychischen und physischen Krisen und Notzuständen von ihren suchtkranken Eltern, Partnern oder Kindern berichtet. Typisch ist es, dass Angehörige aus Ängsten, Scham und Schuldgefühlen - niemand darf etwas mitbekommen - versuchen, die Situation eigenständig zu bewältigen. So überfordern sie sich und riskieren noch Schlimmeres.

Folgende Handlungsleitlinien möchte ich Ihnen geben:

  • In seelischen und körperlichen Notfällen (ernsthafte Verletzungen, akute Suizidalität, Intoxikation, schwere Entzugssymptomatik) zögern Sie bitte nicht, umgehend den Notarzt zu rufen.

  • Bei aggressiven, fremdgefährdenden Verhaltensweisen des Suchtkranken wenden Sie sich an die Polizei.

  • Bei seelischen Krisen ziehen Sie einen Krisendienst oder Sozialpsychiatrischen Dienst hinzu, damit dieser die Situation einordnet und ggfs. notwendige Schritte einleitet. Diese Dienste gibt es bundesweit in jedem Kreis bzw. in allen kreisfreien Städten.

  • Bei dementen, psychotischen und anderen ungünstigen Entwicklungen sprechen Sie mit einem Arzt über eine etwaige rechtliche Betreuung durch einen Berufsbetreuuer. Auch die Unterbringung in einem geeigneten Betreuten Wohnen kann die Situation für alle Beteiligten entschärfen.

  • Falls Sie unsicher sind, wie Sie in Notfällen und Krisen reagieren sollen, lassen Sie sich durch eine Suchtberatungsstelle oder einen Sozialpsychiatrischen Dienst beraten.

  • Notfälle gehen an niemanden spurlos vorbei. Nehmen Sie sich danach eine Auszeit und entlasten Sie sich durch Gespräche mit vertrauten Personen, bis sie wieder im Lot sind. Ist Ihr Leidensdruck als Folge der Belastungen übermäßig beeinträchtigend, kann eine ambulante Psychotherapie hilfreich sein.

2021-06 | Landesdrogenkonferenz

logo landesamt soziales, jugend und versorgung rheinland-pfalz

Letztes Jahr sind alle geplanten Veranstaltungen Corona-bedingt ausgefallen. Ich bin froh, dass mittlerweile dank der digitalen Entwicklungen wieder Veranstaltungen möglich sind. Am 07./08.06.2021 findet die Landesdrogenkonferenz mit dem Titel "Entwicklung und Herausforderung" in Rheinland-Pfalz statt. Ausrichter sind das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie und das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung. Gleich zwei Beiträge beschäftigen sich mit der Angelegenheit der Angehörigen bzw. Kinder von Suchtkranken: Ein Workshop zur Situation von Kindern psychisch und suchtkranker Eltern und mein Vortrag mit dem Titel "Betroffen und beteiligt - Angehörige im zerstörerischen Sog der Sucht". In den letzten Jahren war ich oft in Rheinland-Pfalz. Dort gibt es in der Jugendhilfe, Suchtprävention und auch Gesundheitspolitik ein großes Bewusstsein für den Bedarf der Angehörigen.

» Einladung

2021-05 | Artikel & Rezension

logo für kinder

Frau Dr. Barnowski-Geiser, Autorin des vorzüglichen Ratgebers "Vater, Mutter, Sucht", hat eine Kombination aus Artikel über Kinder aus Suchtfamilien und Rezension zu unserem Buch "Die langen Schatten der Sucht" auf der Website der Stiftung Zu-Wendung für Kinder veröffentlicht. Der Artikel ist sehr informativ und zeigt auf, dass die Arbeit mit suchtbelasteten Kindern und Jugendlichen sowie die Therapie mit erwachsenen Betroffenen methodisch dieselbe ist. Lesenswert!

» Artikel

2021-05 | NACOA | Projekt

nacoa projekt vernetzung

Das 2020 gestartete Projekt "Bundesweite Vernetzung von Akteuren des Hilfesystems für Kinder suchtkranker Eltern" wird von NACOA Deutschland e.V. durchgeführt und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für drei Jahre gefördert. Ziel ist der bundesweite Aufbau von Kommunikationsstrukturen zwischen Fachkräften der Suchthilfe, Jugendhilfe und des Gesundheitswesens. Für den interdisziplinären Austausch aller Akteure, die mit suchtbelasteten Familien insbesondere den Kindern suchtkranker Eltern zusammenarbeiten, soll eine eine Kommunikationsplattform aufgebaut werden. Diese soll an die Website von NACOA angegliedert werden und vor allem eine interaktive onlinebasierte Übersicht aller Angebote sowie begleitenden Veranstaltungen bieten.

» zur Projektseite

2021-04 | Lockdown | Kommentar

Aktuell werde ich oft gefragt, ob die Corona-Krise Auswirkungen für Angehörige hat. Ich möchte anhand der Situation der Kinder aus Suchtfamilien zwei Antworten geben:

1. Ja, die Situation hat sich zugespitzt. In den Kindergarten, zur Schule, zur Musikschule oder in den Verein zu gehen, bedeutet für die Kinder aus Suchtfamilien, der chaotischen, bedrückenden, konflikthaften, feindseligen und übergriffigen Familiensituation für ein paar Stunden am Tag zu entkommen und ein Stück Normalität zu erfahren. Durch den Lockdown ist den Kindern diese Möglichkeit genommen. Es kommt hinzu, dass die suchtkranken Eltern durch Home Office oder Kurzarbeit ebenfalls zuhause sind, mehr konsumieren, sich noch enthemmter verhalten und es noch mehr Streit gibt. Die Kinder sind der Situation rund um die Uhr schutzlos ausgeliefert. Erzieher und Lehrer haben mir berichtet, dass es besonders schwierig sei, Kontakt zu den Kindern aus Problemfamilien aufzunehmen und diese in die Notbetreuung zu holen.

2. Nein, die Situation war schon vor der Pandemie schlimm. Die Kinder hatten schon zuvor Stress, sie wurden vernachlässigt und wurden Opfer von Übergriffigkeiten. Schon immer haben andere - Familie, Nachbarn, Erzieher, Lehrer, Sozialarbeiter, Ärzte etc. - weggeschaut und die Kinder allein gelassen. Und ebenso kehrt die Fachwelt, die Gesundheitspolitik, die Medien und die Gesellschaft das Thema schon seit Jahrzehnten unter den Teppich. Daran hat sich nichts geändert.

Macht es einen Unterschied für ein Kind, ...

  • ob der Vater abends betrunken auf dem Sofa einschläft oder schon mittags berauscht am Küchentisch zusammensackt?

  • wenn sich die überforderte Mutter bei dem Kind drei- oder fünfmal in der Woche über die Eheprobleme mit dem suchtkranken Mann ausheult?

  • ob der versoffene Vater dem Kind einmal oder zweimal am Tag vorwirft, Schuld daran zu sein, dass es ihm schlecht geht, und ob der Vater das Kind statt zweimal sogar dreimal in der Woche prügelt?

  • ob die psychisch labile Mutter das Kind zwei- oder viermal in der Woche dafür lobt, wie groß und stark es ist und die Mutter ohne es nicht klar käme?

  • ob es sich zwar tagsüber in der Klasse aufhält, sich dort mithin fremd und allein fühlt oder es zurückgezogen und unsichtbar auf dem Zimmer am Online-Unterricht teilnimmt?

2021-02 | Roman | Rezension

Shuggie Bain ist ein Roman über das Aufwachsen von drei Kindern mit einer alkoholkranken Mutter. Es ist gleichwohl das Portrait einer Alkoholikerin, eine Coming-of-Age-Geschichte ihres jüngsten Sohns Shuggie als auch eine Klassen- und Arbeiterstudie in den 80ern und Anfang der 90er in Glasgow auf dem gesellschaftliche Hintergrund des Thatcherism. Die klassische Industrie stirbt und Depression, Arbeitslosigkeit und Armut macht sich im Arbeitermilieu breit. Die Mutter Agnes verliert sich immer mehr in Tagträumen von einem besseren Leben und im Suff. Der Vater Shug, Taxifahrer, verspricht ein besseres Leben, geht notorisch fremd und verlässt schließlich die Familie. Die Kinder kümmern sich erfolglos um die Mutter. Eins nach dem anderen sucht das Weite, um das eigene Leben zu retten. Shuggie hält als Jüngster und Lieblingssohn am längsten an der Hoffnung fest, die Mutter retten zu können. Doch er hat eigene Probleme als Heranwachsender, der von allen vermittelt bekommt, nicht normal zu sein, weil er als Junge Fußball nicht mag und lieber mit Puppen spielt.

Der junge Autor Douglas Stuart hat mit seinem Debut-Roman den renommierten Booker Prize gewonnen. Es ist in einer wunderbaren Mischung aus Gossen-Vokabular sowie bild- und symbolmächtigem Sprachstil formuliert, der die trostlosen sozialen, familiären und persönlichen Zusammenhänge hautnah erfahrbar macht und den Figuren gleichzeitig Stolz und Würde lässt. In der detailreichen Brutalität und Hässlichkeit der Schilderungen versteckt sich etwas respektvoll Sanftes und Menschliches. So realistisch abstoßend die Geschehnisse sind, ist man als Leser von den Schicksalsschlägen und der inneren Not der Protagonisten auch mitfühlend ergriffen. Es ist deswegen kein Buch, welches man in einem Rutsch lesen kann. Nach jedem Kapitel braucht es eine Pause, um Abstand zu nehmen, zu verarbeiten und einen neuen Zugang zum Weiterlesen zu finden.

Die Erfahrungen von Leek, Catherine und Shuggie in Stuarts Werk ähneln, trotz des anderen geschichtlichen Kontextes, verblüffend den Erzählungen meiner Klienten in der Therapie. Dieses intime Detailwissen ist nicht verwunderlich, weil der Autor im Roman autobiografische Erlebnisse mit seiner alkoholkranken Mutter verarbeitet. Das Buch ist nichts für Zartbesaitete. Auch Betroffenen, die ihr Trauma noch nicht bewältigt haben, kann ich es nicht empfehlen. Ansonsten ist das Buch eine kleine Kostbarkeit, weil es Einblicke in menschlich Abgründe bietet, welche kein Ratgeber oder Fachbuch liefern kann und ich bislang nur in dem Film "Ein Teil von uns" finden konnte.

» Buch und Autor

2020-02 | COA-Aktionswoche | Ankündigung & Kritik

Vom 14. bis 20. Februar 2021 wird die bundesweite Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien unter dem Motto: "Vergessenen Kindern eine Stimme geben", stattfinden. Sie wird von NACOA Deutschland und Such(t)- und Wendepunkt Hamburg koordiniert. Alle Informationen zur Veranstaltung und Anregungen zum Mitmachen finden sich auf der Website der Aktionswoche. Dort können auch eigene Veranstaltungen angekündigt werden. Dieses Jahr werde ich aufgrund meiner Schwerpunktsetzung auf Aus- und Fortbildung (s.u.) nicht mit einer eigenen Aktion an der Woche teilnehmen.

Einen kritischen Gedanken möchte ich hier indes aufführen: Wie in den Jahren zuvor auch konzentriert sich die Ankündigung der Aktion in Bild und Inhalt allein auf die aktuell ca. drei Mio. Kinder in Suchtfamilien in Deutschland. Aus den betroffene Kindern werden bekanntermaßen Erwachsene - die Zahl wird auf fünf bis sechs Mio. geschätzt -, die ein beträchtliches, psychosoziales Risiko haben, ein Leben lang unter den Folgen ihrer biografischen Last zu leiden. Darüber hinaus ist hinlänglich bekannt, dass Mädchen aus Suchtfamilien später überdurchschnittlich häufig suchtkranke Partner suchen und mit diesen wiederum Eltern von sucht- und co-abhängig gefährdeten Kindern werden.

Das abhängige System aus Sucht und Co-Abhängigkeit ist nur unzureichend zu verstehen und zu behandeln, wenn der transgenerative Teufelskreis nicht beachtet wird (» Transmission). Die Problematik der suchtbelasteten erwachsenen Kinder, Partner und Eltern wird bedauerlicherweise von den Veranstaltern der Aktionswoche nicht berücksichtigt. Es ist in meinen Augen ein Widerspruch, den "vergessenen Kindern" öffentliche Beachtung zukommen zu lassen, was an sich lobenswert ist, dabei aber die erwachsenen Angehörigen zu vergessen. Unabhängig von meiner Kritik und trotz der coronabedingten Einschränkungen wünsche ich der COA-Aktionswoche ganz viel Teilnahme, Aufmerksamkeit und Erfolg.

» Website COA-Aktionswoche

2020-11 | Forschungsprojekt

Im Rahmen eines Forschungsprojekts untersucht das Institut für Kinder- und Jugendhilfe (IKJ), wie die Unterstützung suchtbelasteter Familien durch eine engere Vernetzung von Sucht- und Jugendhilfe verbessert werden kann. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gefördert. Im Juni 2020 wurde der zweite Zwischenbericht des Projektes veröffentlich. In diesem wird suchtkranken Eltern breiter Raum gewährt, über ihre Erfahrungen mit den Hilfesystemen zu reflektieren. Anhand der authentischen Schilderungen der Betroffenen werden die Stärken und Schwächen in der Vernetzung konkret benannt. So gibt der Bericht tiefe Einblicke ins System und legt die Finger direkt in die Wunden.

Doch stellt sich mir die Frage, warum vom BMG schon wieder eine neue Studie aufgelegt wird? Die aufgezeigten Defizite sind seit drei Jahrzehnten wohl bekannt und seitdem verspricht eine Drogenbeauftragte der Bundesregierung nach der anderen Besserung. Nüchtern betrachtet ist vorherzusagen, dass auch diese Studienergebnisse folgenlos in den Schubladen des Bundesministeriums verschwinden werden.

» Zwischenbericht herunterladen

2020-11 | Rezension

Im August ist das Buch "Die langen Schatten der Sucht" von der Kollegin Judith Barth und mir erschienen, welches über Anamnese, Diagnostik, Analyse und die Behandlung von Traumafolgestörungen als Folge einer suchtbelasteten Kindheit handelt. Jetzt ist auf Socialnet.de die erste Rezension erschienen. Sie ist von Anja Schoop, Diplom Sozialpädagogin in der Fachstelle Sucht des Diakonischen Werks Herford, verfasst worden. Die Rezensentin ist dort für die Angehörigenberatung zuständig.

» Rezension

2020-11 | Website

Es gibt eine neue, spannende Website: Wissensnetzwerk Kinder in suchtbelasteten Familien. Die Seite wird gerade aufgebaut und richtet sich an Fachleute und Interessierte. Herausgeber ist die Landeskoordinierungsstelle Frauen und Sucht NRW, BELLA DONNA mit Sitz in Essen. Die Seite ist ansprechend und intelligent gestaltet und verspricht, sehr informativ zu werden. Schauen Sie mal drauf!

» Website w-kis.de

2020-10 | EigenArts

Das Duo EigenArts hat eine CD mit dem Titel "dennoch" herausgebracht. Der Song Albatros ist dem Schicksal von Kindern aus Suchtfamilien gewidmet. Kostproben des Textes: "Nicht reden, nicht fühlen, niemandem traun. Es ist doch nichts... Mama und Papa, auf Alkohol formatiert. Es ist doch nichts... Kindergefühle, wie Müll kompostiert. Es ist doch nichts. - Albatros, nimm mich mit auf deinen Schwingen. Flieg mich hinauf aus grauen Mauern in warmen Sonnenschein." Auf der Blogseite Jetzt.Besser.Leben von Frau Dr. Barnowski-Geiser kann der Song angehört werden.

» Song hören

2020-09 | 3sat

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Eine Klientin, erwachsenes Kind aus einer Suchtfamilie, wies mich darauf hin: Die Schweizer Dokumentation "Trinkerkinder, die langen Schatten alkoholkranker Eltern" kann auf der Website des SRF aufgerufen werden. Ausgehend von der persönlichen Geschichte der Autorin Ursula Brunner und anhand verschiedener betroffenen Personen wird das Schicksal und die Not der Betroffenen und ihre Schwierigkeiten und Möglichkeiten, sich zu befreien und ein eigenes Leben aufzubauen, veranschaulicht. Erwachsene und noch jugendliche Betroffene kommen in dem 49-minütigen Beitrag selbst ausgiebig zu Wort, erzählen von ihren tragischen Erfahrungen und den Auswirkungen auf ihr Leben.

Die Kamera bewegt sich im Lebensalltag der Betroffenen und hält doch Abstand. So sind die Ausführungen zwar zugewandt, bleiben aber nüchtern. Diese Sachlichkeit des Films erinnert mich an den dissoziativ gefühlsfernen Selbstschutz der Betroffenen, ihre geichförmig unaufgeregte Stimme und ihre unbewegte Mimik und Gestik, wenn sie in der Therapie über die Schrecknisse der Kindheit erzählen. Dadurch wird die Dokumentation ihrem unprätentiösen Anspruch, über das Thema zu informieren, durchaus gerecht, wie ich finde. Die Klientin gab an, dass der Film "ganz ok" sei, für sie als Betroffene aber keine neuen Erkenntnisse geboten habe.

» Film aufrufen

2020-08 | Fachbuch

Für einen Autor ist es, als wenn Geburtstag und Weihnachten zusammenfallen. Heute am 22.08. ist unser neues Buch: "Die langen Schatten der Sucht", bei Klett-Cotta erschienen. Gestern habe ich die Belegexemplare in der Post gehabt und durfte das Werk in die Hand nehmen. Ein digitales Manuskript hat stets etwas Unwirkliches, ein echtes Buch ist greifbare, erfahrbare Realität. Es hat 346 Seiten und ist dreigeteilt. Im ersten Kapitel werden die typischen Belastungen und Traumata, die Kinder in Suchtfamilien erfahren, systematisch beschrieben. Im zweiten und dritten Kapitel wird die Lerngeschichte des Suchttraumas analysiert und mögliche Traumafolgestörungen im Erwachsenenalter diagnostisch eingeordnet.

Das fünfte Kapitel ist der Hauptteil, in dem unser psychotherapeutisches Behandlungsprogramm: "Reden, fühlen, trauen!", dargestellt wird. In sieben Unterkapitel werden spezifische Aspekte der Therapie des Suchttraumas erläutert, z.B. zur therapeutischen Beziehungsgestaltung, Klärung von Motivation, Bewältigung von Ängsten und Depressionen, Erlebensaktivierung, Emotionsregulation, Traumabewältigung und zur Überwindung (co-)abhängiger Probleme. Alle Darstellungen werden praxisbezogen durch Kasuistiken veranschaulicht. Das Buch richtet sich vornehmlich an Fachleute: Psychotherapeuten, Suchttherapeuten und -berater, Psychologen, Sozialarbeiter oder Ärzte.

» Das Buch bei Klett-Cotta

2020-06 | Zeitzeichen

Zeitzeichen ist das Kulturmagazin der evangelischen Kirche in Deutschland und bietet Essays, Analysen und Nachrichten zu Religion und Gesellschaft. Am ersten Juni kommt das neue Heft zum Schwerpunktthema Sucht. Mein Beitrag dazu ist ein Essay mit dem Titel: "Sprachlos und hilfebedürftig". Die Einleitung zum Text lautet: "Depressionen, Angststörungen und psychosomatische Beschwerden, viele Kinder und Partner von Suchtkranken leiden. Der Bielefelder Psychotherapeut Jens Flassbeck berichtet, warum es für Angehörige so schwierig ist, über ihre Situation zu sprechen. Er fordert eine Erneuerung der Suchthilfe, damit sich diese mit anderen Hilfesystemen besser vernetzen kann." Es freut mich, dass zeitzeichen der Angehörigenproblematik einen angemessenen Raum gibt.

» Website zeitzeichen

2020-02 | COA-Aktionswoche

Vom 09. bis 15.02.2020 findet die bundesweite Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien statt. Ziel der jährlich zum Valentinstag durchgeführten Woche ist es, den vergessenen Kindern eine Stimme zu geben und Öffentlichkeit für die gesellschaftlich tabuisierte Thematik herzustellen. Jeder kann mit Veranstaltungen oder Aktionen beitragen. Die Woche wird von NACOA Deutschland, Such(t)- und Wendepunkt e.V. und Kunst gegen Sucht e.V. koordiniert. Die Aktionswoche hat dieses Jahr einen negativen Beigeschmack. Die "AG Kinder psychisch und suchtkranker Eltern" des Bundestages ist zu keinem konkretes Ergebnis gelangt. Die Vertreter/innen der Bundesministerien in der AG haben sich genau darum herumgedrückt. Der Aufruf zur Aktionswoche ist entsprechend kritisch und kämpferisch ausgefallen:

» Aufruf
» Website

2020-02 | Broschüre

Da im März Abgabetermin für das Manuskript unseres neuen Buchs über die Psychotherapie mit traumatisierten erwachsenen Kindern aus Suchtfamilien ist und die Zeit vor der Abgabe stressig ist, nehme ich in 2020 leider nicht mit einer eigenen Veranstaltung an der Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien teil. Indirekt bin ich erfreulicherweise dennoch beteiligt. Die Landeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von Rheinland-Pfalz hat zur Aktionswoche eine informative Broschüre zu den komplex traumatisierten "stillen Mädchen" herausgeben, Titel: "Erkennen, erreichen, ermöglichen". Vornehmlich besteht diese aus einer Zusammenfassung eines Impulsreferats, das ich in 2019 auf einem zweitägigen Workshop des Arbeitskreises „Hilfen für Kinder aus suchtbelasteten Familien in Rheinland-Pfalz“ hielt. Der Text basiert auf dem zweiten Kapitels unserer geplanten Publikation. Ich danke der LZG und dem Arbeitskreis für die gelungene Kooperation.

» Broschüre bestellen (Rubrik: "Kinder aus suchtbelasteten Familien")
» Broschüre herunterladen

2020-02 | Photoetry

Neuerscheinung: Sturm, C. (2019). Sucht vergeben. Berlin: Neopubli.

Das Buch ist das Ergebnis der mutigen und feinfühligen Kooperation der Fotografin Christa Sturm und einer Angehörigengruppe Suchtkranker. Durch die Kombination von Foto und Poesie wird der Angehörigenproblematik bewegend und eindrucksvoll Gesicht und Stimme gegeben. In der Therapie nutze ich die Fotos, um Klienten einen Spiegel vorzuhalten.

» Website der Künstlerin

2019-12 | Deutschlandfunk

Co-abhängige Angehörige haben gewöhnlich ein äußerst gespaltenes Verhältnis zum Gefühl Wut. Es ist gehemmt, wird nicht wahrgenommen und kann nicht ausgedrückt werden. Doch können auch, selten zwar, die Dämme brechen und es kommt zu aggressiven Ausbrüchen, die im Nachhinein Schuldgefühle auslösen und noch stärkere Bemühungen, sich zu kontrollieren. "Wer Wut unterdrückt, kann depressiv werden", ist ein trefflicher und empfehlenswerter Artikel des Deutschlandfunks zu Facetten und Bedeutungen eines lebendigen Emotion, welche wir für Selbstbehauptung und -entfaltung brauchen.

» Artikel

2019-10 | Freundeskreise

Der nebenstehende Artikel wurde im Jahresjournal des Landesverbands der Freundeskreise von NRW veröffentlicht. Der Artikel wie auch die Selbsthilfegruppe sind aus der Zusammenarbeit von dem Vorsitzenden der Gütersloher Selbsthilfe, Günter Philipps, und mir entstanden.

2019-05 | Blaues Kreuz

Am 23.05.2019 war ich vom Blauen Kreuz nach Bad Salzuflen geladen worden, um über komplexe Traumatisierungen von Kindern aus Suchtfamilien zu referieren. Es ist stets eine schwieriges, wie auch lohnenswertes Unterfangen, die schlimmen Erfahrungen der "vergessenen Kinder" und deren Traumafolgestörungen darzustellen und Tabuisierung und Sprachlosigkeit, die der Thematik innewohnen, zu überwinden. Das Publikum war gemischt: Suchthilfe, Jugendhilfe, Selbsthilfe, süchtig Betroffene und Angehörige. Sehr erfreulich und zuversichtlich stimmend nahm ich die Erkenntnis mit nach Hause, dass sich in Bad Salzuflen und Herford in den letzten Jahren ein zugewandtes und positives Bewusstsein und gute Hilfestrukturen in Sucht-, Jugend- und Selbsthilfe in Bezug auf die betroffenen Kinder und Angehörigen entwickelt haben. Herrn Reichert und Herrn Wültner vom Blauen Kreuz danke ich für die Einladung und den spannenden Abend.

2019-04 | Workshop

Am 04. und 05. April nahm ich an einem Workshop in Koblenz zum Arbeitskreis "Hilfen für Kinder aus suchtbelasteten Familien in Rheinland-Pfalz" teil, veranstaltet von der dortigen Landeszentrale für Gesundheitsförderung (LZG). Wir waren eine bunte Mischung aus Fachkräften aus Prävention und Therapie und des LZG sowie Experten aus der Selbsthilfe. Das Thema waren die "stillen Mädchen" aus Suchtfamilien. Es ging um die genderspezifische Fragestellung, wie man diese unsichtbare Betroffenengruppe erkennen und erreichen kann. Ich nenne diese Gruppe auch die "Helferkinder", weil sie sich schon als kleine Kinder rührend um die suchtkranken Eltern und auch den Rest der Familie kümmern. Sie fallen durch frühe Reife und Eigenständigkeit, besondere Leistungen und Verantwortungsbewusstsein auf und werden deshalb durch Prävention und Therapie nicht erreicht. Allzu häufig versteckt sich hinter der auffällig unauffälligen Fassade eine komplexe und behandlungsbedürftige Traumatisierung, die mit viel Mangel, Not und Leid verbunden ist und erst viel später im Leben zu einer posttraumatischen Dekompensation führen kann.

Zur Eröffnung der Veranstaltung hielt ich ein Impulsreferat mit dem Titel: "Erkennen, erreichen, ermöglichen". Danach haben wir zwei Tage konzentriert gearbeitet und als Ergebnis vielfältige Materialien angedacht, um die Betroffenen anzusprechen und die Öffentlichkeit auf sie aufmerksam zu machen. - Eine Zusammenfassung des Vortrags werde ich hier in Kürze zum Herunterladen verlinken. Über die Materialien werde ich berichten, sobald sie fertig sind.

» Zusammenfassung Vortrag

2019-02 | COA-Aktionswoche

Vom 11. bis 16. Februar 2019 fand die bundesweite Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien statt und das Aktionswochen-Team von Berlin zog eine sehr zufriedene Bilanz über die stärkste Beteiligung in der 10-jährigen Geschichte der Woche. Durch 120 Veranstaltungen, 50 Aktionen und 70 gezählte Beiträge in regionalen und überregionalen Medien wurde die Öffentlichkeit für das Thema der "vergessenen Kinder" senibilisieren und über die Notwendigkeit angemessener Hilfen aufgeklärt.

Mein erster Beitrag zur Woche war ein Vortrag mit dem Titel "Angehörige beachten". Die Veranstaltung fand am 15.01. in der Selbsthilfe-Kontaktstelle von Minden-Lübbecke statt. Die geschätzt 60 Besucher waren mehrheitlich Selbstbetroffene. Ich bedanke mich bei Frau Krömker der Drogenberatung und Frau de Vink von der Kontaktstelle für die Einladung.

Für die zweite Veranstaltung zur Aktionswoche hat sich ein einrichtungs- und städteübergreifendes OWL-Bündnis mit dem Kinderschutzbund Bielefeld, der Fachstelle Sucht des Diakonischen Werkes Herford, der AG Suchtselbsthilfe Gütersloh, dem Blauen Kreuz Bad Salzuflen und Hiddenhausen-Eilshausen und dem Lichtwerk Filmtheater Bielefeld gefunden. Der preisgekrönte Film "Die beste aller Welten" wurde am 12.02. im Lichtwerk aufgeführt (» Filmwebsite). Mit 65 Zuschauern war der Filmsaal gut gefüllt. Nach der Vorführung wurde sich im Foyer des Filmhauses in vielen kleinen Gruppen angeregt ausgetauscht. Die beteiligten Einrichtungen waren sich einig, die gelungene Vernetzung in Zukunft zu vertiefen.

Mein persönliches Fazit in zwei Sätzen: 1. Man kann die Kinderproblematik nicht von der sonstigen Angehörigenproblematik trennen. 2. Ohne eindeutigen gesundheitspolitischen Auftrag verbleibt die Angehörigenhilfe im Projektstatus, abhängig von dem Engagement einzelner, und kann sich nicht nachhaltig institutionalisieren.

» COA-Aktionswoche
» Neue Westfälische 08.02.2019

2019-01 | Ratgeber

Es ist für einen Autor wie ein (leicht verspätetes) Weihnachtsgeschenk. Die dritte Auflage des Ratgebers "Ich will mein Leben zurück!" ist gedruckt. Seit nunmehr zwei Jahrzehnten arbeite ich mit Angehörigen und seit fünf Jahren ist es ein Arbeitsschwerpunkt. Deshalb habe ich mir den Ratgeber letztes Jahr gründlich und kritisch vorgenommen. Viel zu verändern, habe ich allerdings nicht gefunden, mit einer Ausnahme, es gibt nun einen neuen Abschnitt "Sich mit der Trauer anfreunden". Dieser handelt von der Bedeutung, das Gefühl der Trauer und die erfahrenen Verletzungen akzeptierend wahrzunehmen und Strategien zu entwickeln, Trost anzunehmen und - vor allem - sich selbst zu trösten. Alle, die eine ältere Auflage haben, können den Abschnitt als PDF herunterladen.

» PDF "Sich mit der Trauer anfreunden"

2018-12 | Weiße Weihnacht

Als Psychotherapeut ist die Zeit um Weihnachten stets schwierig. Bei KlientInnen, die aus kaputten Elternhäuser kommen, z.B. weil die Eltern tranken, kommen die Erinnerungen an eine unglückliche Vergangenheit hoch. Und für KlientInnen, die mitten drin stecken, weil eine nahestehende Person suchtkrank ist, ist die Zeit emotional vergiftet, weil sie damit konfrontiert sind, wie schön die Festtage sein könnten, wenn die Sucht nicht wäre. - Die Aktion Weiße Weihnacht bedeutet, über die Festtage in Solidarität mit den Kindern aus Suchtfamilien auf den Gebrauch berauschender Mittel zu verzichten. Die Teilnahme ist mir ein Bedürfnis, mich der Maßlosigkeit des Konsums zu verweigern, und eine Hoffnung, dass wir Erfüllung in der liebevollen Begegnung und im gemeinsamen Weinen und Lachen finden. Weniger ist mehr, in diesem Sinne eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit!

» Website Weiße Weihnacht

2018-07 | Praxiseröffnung

In eigener Sache: CO-ABHAENGIG.de und die Angehörigensache sind derzeit eher hintangestellt, weil ich im Sommer in die freiberufliche Praxistätigkeit gestartet bin. Kurzfristig ist dies mit viel Aufwand verbunden. Langfristig verspreche ich mir deutlich mehr Spielräume, mich in der Angehörigenthematik zu engagieren. Die psychotherapeutische Arbeit mit Angehörigen wird mein Praxisschwerpunkt sein und ich freue mich, dass ich schon neue Kooperationspartner in der Sache gefunden habe und einige Betroffene in die Therapie aufnehmen konnte. Vor allem ist mir aufgefallen, dass in den letzten Jahren ein Wandel stattgefunden hat und die Sucht- und Drogenberatungen das Angehörigenthema viel stärker präsent haben und in ihre Angebotsstrukturen einarbeiten. Das ist gut so.

» Website Praxis

2018-06 | Neuerscheinung

Finnja Stauff hat aus ihrer eigenen Erfahrung ein Selbsthilfebuch für erwachsene Kinder von Alkoholikern veröffentlich: Durch Bewusstsein zur Selbstliebe. Bei mir hat das Werk zwiespältige Gefühle hinterlassen. Einerseits ist das Buch inhaltlich klug geschrieben und birgt differenzierte Innenansichten, welche den Betroffenen einen fokussierenden Spiegel ihrer vielschichtigen leidvollen und selbsterzeugten Problematik vorhält. Andererseits ist das Buch in einem simplizierenden Duktus des Heilsversprechens verfasst: "Du musst nur deine Gefühle zulassen, dann wird alles gut!". Das ist mir zu schön, um wahr zu sein. - Aber bitte, bilden Sie sich selbst ein Urteil!

2018-05 | Statistik

Aufgrund der im Mai 2018 in Kraft tretenden DSGVO habe ich den Besucherzähler (AWstats) dieser Website abschalten lassen. Vorher hat mir mein Seitenprovider noch die statistischen Daten übermittelt. Demnach besuchen im Durchschnitt ungefähr 1800 Personen diese Seite pro Monat. Dies bedeutet ca. 60 Besucher am Tag und 20000 im Jahr. Es ist davon auszugehen, dass es überwiegend Betroffene sind sowie professionelle Helfer, die sich informieren wollen. Diese großen Zahlen meiner kleinen Seite freuen mich sehr und sie spiegeln den Bedarf nach Information, Aufklärung und Hilfe wieder.

2018-05 | Positionspapier

"Hinschauen, zuhören, helfen." Der Verbandsrat des paritätischen Gesamtverbands hat im April ein beachtliches und unterstützenswertes Positionspapier zur Versorgung von Kinder aus Suchtfamilien und zur Überwindung der versäulten Sozialrechtssysteme herausgebracht. Auf Nacoa.de ist ein lesenswerter Bericht, in dem die Kernthesen des Papiers zusammengefasst werden.

» Bericht
» Positionspapier

2018-04 | NACOA

Schattenkinder NACOA hat ein kurzes Video mit dem Titel "Schattenkinder" zur Problematik der Kinder aus Suchtfamilien veröffentlicht, auch um für sich zu werben und neue Mitglieder zu gewinnen. Das ist gut so. NACOA sollte viel größer werden, um mehr gesundheitspolitisches Gewicht zu bekommen und mehr Einfluss nehmen zu können.

» Video

2018-04 | Jubiläum

Unter dem Motto "Lebe jetzt!" feierte die Diakonie von Altenkirchen und des Westerwaldkreises 25 Jahre familienorientierte Suchtprävention. Der dortige Kollege Dirk Bernsdorff ist für mich ein Pionier und Vorreiter in der Angehörigensache. Faszinierend, was er über die Jahre für ein Netzwerk in der Region aufgebaut hat! Es war für mich eine Ehre, den inhaltlichen Impuls des Tages setzen zu dürfen. Mein Vortrag lautete: "Zur Bedeutung der Angehörigenarbeit - Ansichten eines Therapeuten". Das Wichtigste neben den Feierlichkeiten waren indes die vielen kleinen Pausengespräche mit in der Angehörigensache engagierten und qualifizierten Menschen und die Energien und Ideen, die vermutlich alle, so wie ich, mit nach Hause nahmen. So werden neue Projekte geboren.

» Thesenpapier

2018-02 | COA-Aktionswoche

Am Samstag den 10.02. hat unser Workshop "Meine Stärken, meine Sehnsucht" stattgefunden. Er war eine gemeinsame Veranstaltung von Günter Philipps als Vertreter der Gütersloher Suchtselbsthilfe, der niedergelassenen Psychotherapeutin Frau Barth und mir als Vertreter meines Klinikums. Gute Angehörigenarbeit braucht Vernetzung und Kooperation. Der Workshop war gut besucht. Und meine Kollegin Frau Barth fand abschließend schöne Worte, als sie ihre Bewunderung formulierte, mit wieviel Feingefühl und Wertschätzung sich die TeilnehmerInnen begegnet sind.

Der Workshop war Teil der bundesweiten Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien, die vom 11. bis 17.02. stattfand. Ziel der jährlich zum Valentinstag durchgeführten Woche ist es, den vergessenen Kindern eine Stimme zu geben. Die Veranstalter freuten sich über die gute Teilnahme mit insgesamt 110 Veranstaltungen und 20 Aktionen. Eine hoffnungsvolle Note erhielt die Woche durch den Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD, in dem explizit auf die Verbesserung der Situation von Kindern mit psychisch kranken Eltern eingegangen wird.

» Website
» Presseerklärungen

2017-12 | Wissenschaft

Die Universität Bamberg führt eine Studie durch, in der die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben bei jungen erwachsenen Kindern von Alkoholikern untersucht wird. Gut so! Das ist die Form von Wissenschaft, die wir brauchen.

» Zur Studie

2017-11 | Neuerscheinung

Angel, F. (2017). Mama Mutsch und mein Geheimnis. Wien: Jungbrunnen.

2017-09 | Neuerscheinung

Schottner, D. (2017). Dunkel Blau. Wie ich meinen Vater an den Alkohol verlor. München: Piper.

2017-07 | Wissenschaft

Das Angehörigennetzwerk AnNet ist ein partizipatives Forschungsprojekt, in dem die Angehörigen die Wissenschaftler sind, die Fragen stellen, forschen und diskutieren. Dies erweitert die Perspektive der Wissenschaft. Die untersuchte Gruppe ist kein Objekt, sondern wird zu Untersuchern, die (sich selber) beobachten und analysieren. Sie werden nicht zu Experten ihrer Thematik gemacht, sie SIND die Experten. Dadurch entstehen neue, unmittelbare Perspektiven. Im abschließenden AnNet-Arbeitsbuch sind die Ergebnisse und Erfahrungen auf sehr ansprechende Weise dargestellt - für Angehörige, Praktiker und Entscheider. Es ist beeindruckend, was Frau Dr. Schnute als Projektmoderatorin innerhalb von zwei Jahren gemeinsam mit den beteiligten Angehörigen und ihrem jungen Team an den zwei Standorten Hildesheim und Landau auf die Beine gestellt hat. Nachahmenswert! Wie es geht, steht im Buch.

» AnNet-Seite

2017-04 | Kreuzbund

Im April war ich von der Selbsthilfe für Suchtkranke und Angehörige des Kreuzbunds in einer ostwestfälischen Kleinstadt geladen worden. Der Abend mündete in einen anregenden Dialog über die zwischenmenschlichen Abhängigkeiten zwischen süchtig und co-abhängig Betroffenen. Am Ende der Veranstaltung habe ich den Anwesenden empfohlen, mutig zu sein und eine eigene Angehörigengruppe zu bilden. Bislang werden die Angehörigen in der Stadt in die Suchtgruppen integriert. Ich bin ein Anhänger von getrennten Gruppen. Angehörige benötigen – wie auch Suchtkranke – Schutzräume, in denen sie wieder in Kontakt mit sich treten und Ansätze für eine gelebte Unabhängigkeit entwickeln können. Erst die Trennung schafft die Voraussetzungen für freie und partnerschaftliche Begegnung.

2017-02 | Film

Ein Teil von uns, Fernsehfilm der ARD: "Nadja hat ihr Leben endlich im Griff - ein guter, erfüllender Job, eine eigene Wohnung und eine neue Liebe. Dann taucht plötzlich ihre Mutter Irene auf und stellt all das scheinbar wieder in Frage." Ein beeindruckender Film über Nadja und ihre Leiden und Nöte als erwachsene Tochter einer alkoholkranken Mutter. Brigitte Hobmeier formulierte in einem Interview zu der Rolle wie folgt (2016): "Sie will meilenweit wegrennen und kommt keinen Millimeter voran. Ihr Selbstschutz wird zur Mauer, hinter der sie vor Einsamkeit fast krepiert." Der Film ist schonungslos und unprätentiös. Es wird nicht übertrieben und nichts schön geredet. Ich wollte immer wieder ausschalten und konnte es gleichzeitig nicht, weil es so ergreifend dargestellt wird, der Schmerz, die Scham, die Angst, der Ekel, die Wut, die Ohnmacht und immer wieder die Trauer. - Unbedingt sehenswert, aber nichts für Zartbesaitete!

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