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Andere Medien

Die hier aufgeführten Romane, Filme und Lieder werden unter dem Aspekt empfohlen, dass suchtbetroffene Angehörige und Kinder im Fokus der Aufmerksamkeit stehen. Die Medien sind nach dem Veröffentlichungsdatum gelistet.

Ohde, D. (2020). Streulicht. Berlin: Suhrkamp.

Eine namenlose Ich-Erzählerin schildert ihre Kindheit und Jugend. Die Eltern sind türkische Einwanderer. Der Vater arbeitet, säuft - wie auch der Großvater - und ist kaufsüchtig, die Mutter opfert sich für andere auf und beide Eltern meiden misstrauisch und ängstlich jeglichen sozialen Kontakt. Lehrer und andere Erwachsene sehen das Kind nicht oder werten es ab. Auch andere Kinder lehnen das Kind als Ausländerin ab und die beiden einzigen Freunde, die es hat, sind zu sehr mit ihrem behüteten und normierten Leben beschäftigt, um es zu verstehen. Niemand wendet sich dem Kind zu oder traut ihm etwas zu. Es bleibt gesichtslos, ist stumm vor Angst und Scham, passt sich an, um nicht aufzufallen, und leidet still.

Als Psychologe könnte ich das Buch von Deniz Ohde analysieren und kategorisieren. Ich könnte etwas Kluges über komplexe Traumatisierung, Dissoziation und Selbstwertstörung schreiben. Doch genau gegen dieses Unrecht, etikettiert und in Schubladen gesteckt zu werden, verwehrt sich die Erzählerin zu Recht. Ihre Schilderungen geben einen ungeschminkten, abgrundtiefen Einblick in das Innenleben eines Menschen, der nicht gesehen und nicht gehört und dem kein Raum gegeben wird, selber herauszufinden, wer er ist, was er denkt und fühlt und wie er sich im Leben verwirklichen will. Die Texte sind ein befreiender Aufschrei und eine selbstentfaltende Anklage eines mundtot gemachten Menschen. Das Buch will nicht kommentiert werden, es will gehört werden.

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Stuart, D. (2020). Shuggie Bain. London: Picador.

Shuggie Bain ist ein Roman über das Aufwachsen von drei Kindern mit einer alkoholkranken Mutter. Die Geschichte spielt in den 80ern und Anfang der 90er in Glasgow auf dem gesellschaftliche Hintergrund des Thatcherism. Die klassische Industrie stirbt und Armut macht sich in den Schichten des Arbeitermileus breit. Die Mutter Agnes verliert sich immer mehr in Tagträumen von einem besseren Leben und im Suff. Der Vater Shug, Taxifahrer, geht notorisch fremd und verlässt schließlich die Familie. Die Kinder kümmern sich erfolglos um die Mutter. Eins nach dem anderen sucht das Weite, um das eigene Leben zu retten. Shuggie hält als Jüngster und Lieblingssohn am längsten an der Hoffnung fest, die Mutter retten zu können. Doch er hat eigene Probleme als Heranwachsender, der von allen vermittelt bekommt, nicht normal zu sein. Shuggies Befreiung ist auch eine Out-of-Age-Geschichte, wie er sich als Heranwachsender in seinem Anders- und Sosein annehmen lernt.

Der junge Autor Douglas Stuart hat mit seinem Debut-Roman den renommierten Booker Prize gewonnen. Bedauerlicherweise liegt das Buch bislang nur in Englisch vor. Es ist in einer wunderbaren Mischung aus Gossen-Vokabular sowie bild- und symbolmächtigem Sprachstil formuliert, der die trostlosen sozialen, familiären und persönlichen Zusammenhänge hautnah erfahrbar macht und den Figuren gleichzeitig Stolz und Würde lässt. In der detailreichen Brutalität und Hässlichkeit der Schilderungen versteckt sich etwas respektvoll Sanftes und Menschliches. So realistisch abstoßend die Geschehnisse sind, ist man als Leser von den Schicksalsschlägen und der inneren Not der Protagonisten auch mitfühlend ergriffen. Es ist deswegen kein Buch, welches man in einem Rutsch lesen kann. Nach jedem Kapitel braucht es eine Pause, um Abstand zu nehmen, zu verarbeiten und einen neuen Zugang zum Weiterlesen zu finden.

» Buch und Autor

Zeh, J. (2018). Neujahr. München: Luchterhand.

Henning ist ein normaler Familienvater, eine Verkörperung von Anpassung und Durchschnitt. Doch innerlich gerät er immer mehr unter Druck, ohne zu verstehen, was mit ihm geschieht. Er leidet unter Panikattacken. Er versucht "das Tier", wie er die Angst nennt, abzuwehren, indem er sich kein Recht auf psychische Probleme zugesteht und die äußere Fassade zwanghaft aufrechterhält. Tatsächlich aber beherrscht ihn das Tier zunehmend. Als Folge beginnt Henning, sich von seiner Umwelt zu entfremden. Seine Dissoziation spitzt sich immer weiter zu, bis er auf einem Familienurlaub über die Feiertage allein eine sportliche Radtour unternimmt. Früher, vor der Familiengründung, fuhr er Rennrad. Als er auf der Tour einen Berg bezwingt bzw. - angesichts seines untrainierten Zustands - der Berg ihn bezwingt, holen ihn die Erinnerungen an ein schreckliches Kindheitstrauma ein, welches sich in einem Ferienhaus auf diesem Berg zugetragen hat, als er vier Jahre alt war. Er findet das Haus und die verdrängten Geschehnisse von damals holen ihn ein.

Der Roman schildert schonungslos, wie ein erwachsener Mann von seinem kindlichen Suchttrauma eingeholt wird. Der Vater von Henning ist suchtkrank, trennt sich früh und kümmert sich nicht weiter um die Kinder. Die alleinerziehende Mutter ist co-abhängig. Sie kehrt die Erinnerung an früher unter den Teppich, indem sie Dinge kleinredet, den Kindern Lügengeschichten erzählt und sich über den Vater der Kinder verbittert ausschweigt. Überdies opfert sie sich schuldhaft in der Versorgung und Erziehung der Kinder auf, ohne ein eigenes Leben zu haben. Sie funktioniert depressiv als leere Hülle. Als typisches "Helferkind" ist Henning ein Abbild seiner Mutter. Er kümmert sich ebenso schuldbesetzt um seine zwei Jahre jüngere Schwester, die ihr Leben auch jenseits der 30 nicht in den Griff bekommt, und er versucht sein Posttrauma durch Gefühlsabspaltung in den Griff zu bekommen. Die Autorin Juli Zeh versteht sich meisterlich darin, die hinter perfekter, normierter Fassade versteckte Abgründigkeit des deutschen Spießbürgertums detailliert und wertfrei zu sezieren.

Ende, M. (1973). Momo. Stuttgart: Thienemann.
Twain, M. (1884). Huckleberry Finns Abenteuer. Zürich: Diogenes.

Warum werden die beiden Klassiker von Michael Ende und Mark Twain hier aufgeführt? Huckleberry Finn ist der Sohn eines Alkoholikers und Raufbolds. Huckleberry muss sich nicht nur dem Zugriff seines gewalttätigen Vaters erwehren, auch die (co-abhängig) bevormundende Fürsorge der Gesellschaft bedroht seine Freiheit und Selbstverwirklichung. Bei Momo repräsentieren die grauen Herren die Sucht. Sie rauchen Zigaretten, die sie aus den Blütenblättern der Lebenszeit der Menschen gewinnen und sie manipulieren geschickt die Menschen, sich der Moral und dem Diktat der Beschleunigung zu unterwerfen. Die angstgetriebene Hetze der Menschen, Zeit zu sparen, kann als co-abhängig eingestuft werden.

Momo und Huckleberry repräsentieren beide einen leidenschaftlichen Gegenentwurf zu einer entfremdeten Welt: Sie sind spontan, authentisch, kreativ, mutig und eigensinnig, können gut zuhören und beobachten, lachen und weinen, spielen gerne, lieben den Müßiggang und genießen ihr Dasein in vollen Zügen. In ihrer Resilienz sind sie Vorbilder darin, für die eigene Unabhängigkeit und die anderer Menschen einzustehen.

Brunner, U. (Reg., 2020). Trinkerkinder. Die langen Schatten alkoholkranker Eltern [Film]. Schweiz.

Eine Dokumentation über das Schicksal von (erwachsenen) Kindern aus Suchtfamilien. Ausgehend von der persönlichen Geschichte der Autorin Ursula Brunner und anhand verschiedener betroffener Personen wird in dem Schweizer Film das Schicksal und die Not der Trinkerkinder und ihre Schwierigkeiten und Möglichkeiten, sich zu befreien, veranschaulicht. Erwachsene und noch jugendliche Betroffene kommen in dem 49-minütigen Beitrag selbst ausgiebig zu Wort, erzählen von ihren tragischen Erfahrungen und den Auswirkungen auf ihr Leben.

Die Kamera bewegt sich im Lebensalltag der Betroffenen und hält doch Abstand. So sind die Ausführungen zwar zugewandt, bleiben aber nüchtern. Diese Sachlichkeit des Films erinnert mich an den dissoziativ gefühlsfernen Selbstschutz der Betroffenen, ihre geichförmig unaufgeregte Stimme und ihre unbewegte Mimik und Gestik, wenn sie in der Therapie über die Schrecknisse der Kindheit erzählen. Dadurch wird die Dokumentation ihrem unprätentiösen Anspruch, über das Thema zu informieren, durchaus gerecht.

Goiginger, A. (Reg., 2017). Die beste aller Welten [Film]. Mödling bei Wien: Ritzl-Film.

Der Film ist autobiografisch, der Autor und Regisseur erzählt von seiner schwierigen Kindheit, wie er als Siebenjähriger in der Drogenszene Salzburgs aufwächst. Die Mutter Helga ist zerrissen zwischen ihrem Vorsatz, für ihren Sohn gut zu sorgen, und dem Zwang, ihre innere Leere mit Drogenkonsum zu stillen. Im Mittelpunkt steht indes Adrian, wundervoll gespielt von Jeremy Miliker, wie er sowohl Liebe, Freiheit und Lebensfreude erfährt, als auch die mit dem Drogenleben verbundenen Schwierigkeiten erlebt und diese mit Ängsten und Alpträumen bezahlt.

Die Geschichte gewinnt ihre Spannung aus der Ambivalenz zwischen dem bis ins Detail schonungslos dargestellten Drogenleben und der zarten Idealisierung der mütterlichen Liebe. Eben gerade deswegen bleibt der Film stets auf dem festen Boden der Realität, gleitet nie ins Sentimentale ab und hinterlässt eine versöhnliche und hoffnungsvolle Stimmung. Adrian geht trotz und wegen dieser Kindheit mutig und kreativ seinen Weg - in der für ihn besten aller Welten.

cover sanfter mann sucht frau

Curval, J.L. (Reg., 2016). Sanfter Mann sucht Frau [Film]. Frankreich: ARTE.

Ein sehr französischer, stiller und unprätentiöser Film darüber, wie Annette, eine 30-jährige Frau, die mit ihrem Sohn Eric in einer Kleinstadt im Norden Frankreichs wohnt und als Kassiererin arbeitet, eine abhängige Beziehung zu einem gewalttätigen Trinker und ein leeres Leben hinter sich lässt. Der Titel verwirrt indes. Er müsste vice versa lauten: Sanfte Frau sucht Mann, denn Annette ist die Protagonistin, die das Heft des Handelns in die Hand nimmt. Der Film kommt vollständig ohne große Aktion aus und bleibt sich bis zum Ende darin treu, die Begegnungen und Beziehungen der Hauptfigur und ihren emotionalen Prozess der Befreiung mit viel Zartgefühl zu begleiten.

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Weegmann, R. (Reg., 2016). Ein Teil von uns [Film]. Deutschland: Constantin Television.

Der Film handelt vom leidvollen Leben einer erwachsenen Tochter einer alkoholkranken Mutter. Brigitte Hobmeier spielt die Hauptfigur Nadja facettenreich, ungeschminkt und vielschichtig. Der Film bringt dem Zuschauer die emotionalen Abgründe einer Suchtfamilie stets aus dem Blickwinkel von Nadja und in mitleidloser Solidarität mit ihr nahe. Brigitte Hobmeier formulierte in einem Interview zur Rolle folgendes (2016): "Sie will meilenweit wegrennen und kommt keinen Millimeter voran. Ihr Selbstschutz wird zur Mauer, hinter der sie vor Einsamkeit fast krepiert."

Der Film ist realistisch bis zur Schmerzgrenze. Die Bilder gehen unter die Haut und sind nichts für Zartbesaitete oder Betroffene, die von der eigenen Geschichte noch zu sehr verwundet sind. Der Film bietet für Nadja keine Hoffnung oder Erlösung, doch überrascht das Ende in seiner ernüchternden Offenheit und Akzeptanz.

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Medienprojekt Wuppertal (2015). Zoey - Ein Spielfilm über die Lebenswelt von Kindern einer suchtbelasteten Familie [Film]. Wuppertal.

Der Film leuchtet trotz seiner Kürze und Projekthaftigkeit feinfühlig alle emotionalen Nuancen des Schicksals von Jugendlichen aus Suchtfamilien aus. Das Ende deutet an, wie Betroffene das leidvolle Schicksal überwinden können, ohne dass der Film ins Kitschige abrutscht oder falsche Hoffnungen weckt. Der Film ist besonders für die präventive Arbeit mit Jugendlichen geeignet.

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Aki Kaurismäki (1990). Das Mädchen aus der Streichholzfabrik [Film]. Finnland/Schweden.

Ein typischer Film des Regisseurs Aki Kaurismäkis: lakonisch, hoffnungslos, bildmächtig und sozial kritisch. Iris arbeitet am Fließband und finanziert mit ihrem kargen Lohn Mutter und Stiefvater ein bequemes, konsumorientiertes - Nikotin, Wodka, Essen, Fernsehen - Leben. Sie erledigt den Haushalt, geht einkaufen, kocht und schläft auf dem Sofa. Sie ist genügsam, gleichmütig, ein Mauerblümchen, welches niemand sieht. Die einzige Zuwendungen, die sie von den Eltern erhält, sind kaltes Schweigen und böse Blicke. Als sie schwanger wird, lehnt der Mann sie und das ungeborene Leben brüsk ab. Jetzt endlich wird Iris wütend, schreitet zur Tat und tötet.

Selbstverständlich ist das fiktive Handeln der Antiheldin Iris in der wirklichen Welt keine Lösung. Doch die Geschichte symbolisiert auf der übertragenen Ebene, dass Menschen manchmal alles aus ihrem Leben rigoros herauswerfen müssen, was sie kaputt macht, um die Schieflage ihres verletzten Selbstwerts geradezurücken und Freiheit und Würde wiederherzustellen.

deutschlandfunk

Rebmann, S. (2021). Flucht vor alkoholkranken Eltern. "Und dann öffnete sich die Welt für mich" [Radio]. Köln: Deutschlandfunk.

Utz Dräger vom Deutschlandfunk im Gespräch mit Plus Eins Autorin Sophie Rebmann, die die Geschichte von Emilia erzählt: "Emilia wächst mit einem alkoholkranken, gewalttätigen Vater auf. Als auch die Mutter zu trinken beginnt, ist sie auf sich allein gestellt. Emilia will ihr Elternhaus hinter sich lassen, aber kann sich nur schwer lösen. Doch irgendwann gelingt es... Bei Plus Eins erzählt Sophie Rebmann, wie Emilia es schafft, sich in einem langwierigen Prozess endlich vom Schatten der Eltern zu befreien. Es ist eine Geschichte über die Flucht aus den Fesseln der Kindheit und den starken Überlebenswillen einer Frau." (Plus Eins, 22.10.2021)

Es wird mit viel Sensibilität und liebevollen Verständnis die "normale", schreckliche Geschichte eines Kindes aus einer Suchtfamilie erzählt, wie sie Millionen Kinder aktuell in Deutschland erfahren. Unbedingt hörenswert, doch nichts für schwache Nerven!

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YouTube-Kanal von NACOA

Lunchtime-Interviews mit dem Zeitzeichen-Redakteur Stephan Kosch und der Reporterin und Autorin Christina Rubarth: Jede Woche ein neues Gespräch über das Aufwachsen in suchtbelasteten Familien. Beispiele aus den Interviews: "Hilfe bei Verdacht auf Gewalt gegen Kinder - Interview mit der »Medizinischen Kinderschutzhotline«, "»Mit der Axt hinter uns hergerannt« - Interview mit Christina, Tochter eines alkoholkranken Vaters.", Die Mutter hinter der Tür - Interview mit der Sozialarbeiterin und Buchautorin Mira Galle.

» YouTube-Kanal NACOA

filmplakat trinkerkinder

Brunner, U. (Reg., 2020). Trinkerkinder. Die langen Schatten alkoholkranker Eltern [Film]. Zürich: SRF.

Eine Dokumentation über das Schicksal von (erwachsenen) Kindern aus Suchtfamilien. Ausgehend von der persönlichen Geschichte der Autorin Ursula Brunner und anhand verschiedener betroffener Personen wird in dem Schweizer Film das Schicksal und die Not der Trinkerkinder und ihre Schwierigkeiten und Möglichkeiten, sich zu befreien, veranschaulicht. Erwachsene und noch jugendliche Betroffene kommen in dem 49-minütigen Beitrag selbst ausgiebig zu Wort, erzählen von ihren tragischen Erfahrungen und den Auswirkungen auf ihr Leben.

Die Kamera bewegt sich im Lebensalltag der Betroffenen und hält doch Abstand. So sind die Ausführungen zwar zugewandt, bleiben aber nüchtern. Diese Sachlichkeit des Films erinnert mich an den dissoziativ gefühlsfernen Selbstschutz der Betroffenen, ihre geichförmig unaufgeregte Stimme und ihre unbewegte Mimik und Gestik, wenn sie in der Therapie über die Schrecknisse der Kindheit erzählen. Dadurch wird die Dokumentation ihrem unprätentiösen Anspruch, über das Thema zu informieren, durchaus gerecht.

» Film auf SRF

Ruparth, C. (2020). Das Leiden der Angehörigen. Wie Alkoholsucht Familien zerstört. Köln: Deutschlandfunk.

Aus der Ankündigung: "Wenn es um Alkoholismus geht, werden Angehörige selten gehört. Meist steht die Sucht und damit der Süchtige im Mittelpunkt. Hier soll es andersherum sein: Die, deren Leiden oft übersehen wird, bekommen eine Stimme." Die Autorin Christina Rubarth hat mit dem Feature den Deutschen Sozialpreis 2021 in der Sparte Hörfunk gewonnen.

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Es gibt jede Menge Songs, die Suchtmittelkonsum sowohl verherrlichen als auch problematisieren, z.B. "Alkohol" von Herbert Grönemeyer. Lieder, in denen die Sorgen, Not und Sehnsucht der Angehörigen im Mittelpunkt stehen, sind rar. Deswegen sind die, die es gibt, besonders wertvoll.

Duo EigenArts (2020). Albatros. Dennoch [CD].
"Nicht reden, nicht fühlen, niemandem trauen. Es ist doch nichts... Mama und Papa, auf Alkohol formatiert. Es ist doch nichts... Kindergefühle, wie Müll kompostiert. Es ist doch nichts. - Albatros, nimm mich mit auf deinen Schwingen. Flieg mich hinauf aus grauen Mauern in warmen Sonnenschein."

Jacques Palminger & 440 Hz Trio (2016). Es ist mein Leben. Jzz & Lyrc [CD]. Hamburg.
"Also, lebe dein Leben und lass mich los. Kümmere du dich um deine Angelegenheiten und lass meine in Ruhe... Deshalb hör auf, mich zu belästigen, hör auf, mich zu bedrängen, hör auf, mich anzuschreien, denn es ist, es ist mein Leben."

Voodoo Jürgens (2016). Alimente. Ansa Voar [CD]. Österreich: Lotterlabel.
"... des hod si für mi erledigt hapo, i wü von dem nix mehr hean. du kaunnst mi gern hobn und wem anan anrean. i hob a engels geduld und hob ma deine geschichtln lang gnua augheart. i hobs in guadn probiert... hod ollas nix brocht und sche langsam föd ma die kroft."

Marius Müller-Westernhagen (2002). Was Du... In den Wahnsinn [CD]. Europa: Warner Music.
"Ich hab auch keinen Vater mehr. Er soff sich in sein Grab. Als er noch lebte, liebte ich ihn. Das ist, glaub ich, normal. - Was du fühlst ist nicht immer, was du fühlst. Was immer du auch fühlst."

Reinhard Mey (1996). Kati und Sandy. Leuchtfeuer [CD]. Berlin: Hansa-Tonstudio.
"Sandys Vater hängt im Sofa, schon am Mittag breit. Und dann kommen seine fiesen, ekeligen Sprüche. Und Mutter hört die lustigen Musikanten in der Küche. Manchmal ist alles so sinnlos, hat alles keinen Zweck. Manchmal sehnen sich die beiden weit, weit weg."